"Unsere Himbeerlimonade schmeckt, wie ich sie noch aus meinen Kindertagen kenne", sagt der Hainewalder Getränkehersteller, der das kleine Familienunternehmen bereits in der vierten Generation führt. Mit Erdbeer- und Veilchenbrause hat einst sein Urgroßvater Ernst Menschel 1899 den Grundstock für den Betrieb gelegt.
"Die Herstellung von sprudelnden Getränken war in den Dörfern im Zittauer Gebirge damals weitverbreitet", weiß Peter Zabel. Eines Tages las sein Urahn die Anzeige in der "Zittauer Morgenzeitung": "Verdienen Sie ihr Geld mit der Herstellung von Limonaden, wir liefern ihnen alle nötigen Maschinen und Getränke zu günstigen Preisen!" Der Landwirt nahm sein Erspartes, borgte sich noch etwas und investierte in die neuen Gerätschaften. Seitdem produziert die Familie am Waldrand von Hainewalde ihre Limonaden.

Himbeerlimonade der Renner
Über 100 Jahre später stellt Peter Zabel immer noch Erdbeerbrause her. Der Renner allerdings ist seine Himbeerlimonade. "Zu DDR-Zeiten waren die zehn kleinen Getränkebetriebe im Bezirk Dresden zu einer Genossenschaft vereinigt", sagt der Chef. "Arbeiterschweiß" wurden die süßen Wasser im Volksmund manchmal spaßig, manchmal boshaft genannt. Sechs verschiedene Sorten gab es vorwiegend in den 0,33-Liter-Flaschen mit dem Kronenkorken. 10 000 Hektoliter sprudelnder Getränke in Rot, Gelb, Orange und Weiß lieferten die Hainewalder jedes Jahr zu DDR-Zeiten.
Heute verlassen nur noch 1300 Hektoliter den Betrieb. Doch auch bei "Menschel-Limonade" machen sich in diesem Sommer die heißen Temperaturen bemerkbar. Der Lebensmittelfacharbeiter Zabel rechnet 2006 mit 200 Hektolitern mehr als in den vergangenen Jahren. "Den Großhändlern sage ich momentan: Ich kann Euch nur beliefern, wenn Ihr mir so schnell wie möglich die Fässer wiederbringt", freut sich der 41-Jährige. Fassbrause mit Himbeer- und Waldmeistergeschmack gehe zwischen Ende April und Anfang September am besten.
In ostalgischen 0,33-Liter- und 0,5-Liter-Flaschen füllt Peter Zabel außerdem zwölf weitere Sorten ab. Die kleinen Glasflaschen sind noch aus Vorwendezeiten. "Aber langsam gehen immer mehr kaputt, demnächst muss ich wohl in neue investieren", sagt der Getränkehersteller - und überlegt, wo er wohl noch alte Restbestände erwerben kann.
Neuerungen aber wollen wohlbedacht sein, weiß der Unternehmer. Denn als er sich 1990 für Halbliterflaschen entschied, stellte die Industrie ein paar Monate später auf eine Füllmenge von Dreiviertellitern um. Seine Limonade blieb in den Regalen. Nur mit einem Getränkevertrieb und den Kunden aus der näheren Umgebung habe er sich über die ersten Jahre gerettet.

Abschmecken ein Geheimnis
Nun rührt Peter Zabel wieder täglich seine Limonaden an. In großen Behältern bereitet er per Hand den Zuckersirup zu. Dieses Gemisch klärt über Nacht aus, am nächsten Tag fügt er die Aromen und Essenzen hinzu. "Das Abschmecken aber bleibt mein Geheimnis", sagt er. Über einen daumendicken Schlauch läuft das gefärbte Zuckerwasser dann in Maschinen im Produktionsraum. Dort werden die Fässer und Flaschen abgefüllt. Hinzu kommt noch das Wasser-Kohlendioxid-Gemisch.
14 Fässer schaffen Peter Zabel und seine Sommeraushilfen pro Stunde. "Ich weiß gar nicht, wo meine Brause überall getrunken wird", scherzt der Oberlausitzer. Mehr als 200 Kunden stehen in seinem Auftragsbuch, kleine Kioske am Oybin genauso wie Gaststätten und Kantinen zwischen Elbtal und Zittauer Gebirge. Außerdem werden seine Produkte über fünf Getränkegroßhändler vertrieben.
Wie vor 30 Jahren trinkt Peter Zabel seine Himbeerlimonade immer noch gern - vielleicht nicht mehr wie früher, bis sich die Lippen rosarot färbten. Und abends darf es bei ihm mittlerweile auch gerne mal ein Bier sein. Internet: www.menschel-limo.de