Was denn Thema sein soll, fragt Fries, Leiter des Institutes für Fleischhygiene mit dem Schwerpunkt Tierschutz für Nutztiere an der Freien Universität (FU) Berlin, zurück: das Wohlergehen des Tieres oder die Auswirkungen der Tierhaltung auf die Umwelt. Also das Tierwohl.

"Helligkeit, Untergrund, Beschäftigungsmöglichkeiten mit ,Spielzeug‘, Beziehungen zu Artgenossen, die Größe der Gruppen, in denen die Tiere gehalten werden", zählt Fries wichtige Faktoren für das Wohlbefinden von Schweinen auf. Wie es damit in einem Betrieb aussieht, sei nicht an der Größe allein festzumachen.

Verbesserung bei "Spielzeug"

"Klein ist nicht immer automatisch gut", sagt der Wissenschaftler. Und es gebe auch große Betriebe, in denen die Tiere vernünftig gehalten würden. Der Ersatz eines großen Betriebes durch zehn kleinere mit der gleichen Gesamttierzahl löse auch nicht das Problem der Geruchsbelastung von Anwohnern. Es seien dann sogar mehr Nachbarn betroffen. Insgesamt sei jedoch sicher in der Schweinehaltung in Deutschland noch viel zu verbessern. Gerade beim Thema "Spielzeug", denn Schweine seien intelligent.

Damit hänge auch das Beißen in die Schwänze von Artgenossen zusammen: "Das ist ein Langeweileproblem." Bisher werden die Schwänze von Schweinen in konventioneller Haltung deshalb einfach kupiert.

Letztlich, so Fries, gehe es bei jeder Tierhaltung immer um die Summe vieler Faktoren und einen Kompromiss. "Am Ende müssen wir den Tieren in die Augen schauen können", fasst der Wissenschaftler zusammen.

Exakte Parameter, mit denen man messen könne, wann ein Tier leide, gebe es nicht. Deutliche Veränderungen, so der Tierhaltungsfachmann, werden Vorschriften mit Zentimeterangaben allein nicht bringen. Das seien immer nur Minimalwerte. Es gehe eher darum, das Leben der Tiere insgesamt anders zu organisieren. Das sei aber eine komplizierte Sache.

Handelsketten als "Bestimmer"

Druck auf eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nutztieren erhofft er sich weniger von den Verbrauchern, als von den großen Handelsketten, die seien "die echten Bestimmer". Und die hätten keine Lust mehr, immer wieder am Pranger zu stehen und machten deshalb langsam Druck. Insgesamt seien die ökonomischen Strukturen der Fleischproduktion in Deutschland aber so wie sie seien.

Dazu gehöre auch, dass Deutschland Fleisch exportiert. Veränderungen würden sich da nur sehr langsam einstellen, vermutet Fries. Dazu gebe es zwei Wege. Entweder man bemühe sich, das alte System erträglicher zu machen, oder man versuche, ganz neue Haltungssysteme zu entwickeln, mit neuen Rassen zum Beispiel.

Die Fleischbranche versucht es derweil mit Selbstverpflichtungen. Der Deutsche Bauernverband, die Fleischwirtschaft und der Lebensmitteleinzelhandel haben am ersten Januar eine neue "Initiative Tierwohl" gestartet. Pro Kilogramm verkauftem Huhn- oder Schweinefleisch werden vier Cent vom Einzelhandel in einen Finanztopf abgeführt.

Daraus können Landwirte einen Zuschuss bekommen, wenn sie für die Haltungsbedingungen ihrer Nutztiere mehr tun, als ihnen die Gesetze vorschreiben. Die Landwirte können sich mit Selbstverpflichtungen dafür bewerben. Einmal im Jahr, so die Pläne, soll ein unabhängiger Fachmann kontrollieren, ob die Verpflichtungen auch eingehalten werden.