Frau Rois, wie hat Ihnen der Spreewald gefallen?
Zauberhaft, geradezu magisch. Wir hatten nach dem verregneten Sommer diesen schönen Herbst und während der Dreharbeiten drei Wochen lang mildes und sonniges Wetter. Das war ein Traum.

Hat man während des Drehs noch Zeit, sich etwas anzusehen?
Nein. Die Dreharbeiten waren zwar nicht stressig. Aber trotzdem hat man ein volles Programm jeden Tag. Unser Hotel lag so ein bisschen im Niemandsland. Ich habe dann entdeckt, dass nebenan noch eine Tankstelle war. Das fühlte sich für mich wieder wie Zivilisation an (lacht). Da konnte ich Zigaretten oder Schokolade kaufen. Aber wenn man den ganzen Tag dreht, isst man abends noch etwas und will dann nur noch ins Bett.

Ist der Spreewald eine Region, die Ihnen auch privat gefallen würde?
Ich würde jetzt nicht unbedingt hinziehen. Aber zum Spazieren gehen oder Bötchen fahren schon.

Sie spielen die Schwangerschaftsvertretung für Maria Simon, die eigentlich im Brandenburger Polizeiruf ermittelt. Was hat Sie an dem einmaligen Einsatz als Kommissarin gereizt?
Dass man nicht eine lange Hintergrundgeschichte für meine Kommissarin basteln musste. Man weiß nichts über sie, man sieht nur, wie sie ermittelt und man kann nicht richtig einschätzen: ist die so harmlos oder tut die nur so. Sie ist vollkommen unbelastet: Wir müssen sie nicht sehen, wie sie abends mit ihrem Mann bei langstieligen Rotweingläsern sitzt und Probleme wälzt. Das fand ich sehr gut. Die Kommissarin ist ein dramaturgisches Gegengewicht zur belasteten Familie von Opfern und Tätern, DIE haben die Probleme, sie ist die Polizei!

Für mich ist "Die Gurkenkönigin" auch weniger ein Krimi als vielmehr ein Familiendrama.
Ja, es gab früher die Krimis des französischen Regisseurs Claude Chabrol, die in der Provinz spielen. Er vermutete den Abgrund auch immer in der Provinz, das hat ihn gereizt. Das fand ich ganz schön. Man kommt in eine komische Situation: Familie - dieser Abgrund, diese Verwicklungen, die gegenseitigen Abhängigkeiten, denen man nicht entkommt. Nirgends gibt es so viel Mord und Totschlag wie unter Leuten, die sich zu gut kennen. Die meisten Gewaltverbrechen passieren in der Familie, weil man sich von seinen Eltern oder Kindern nicht scheiden lassen kann, manch einen wird man nur los, indem man ihn umbringt.

Woran orientieren Sie sich für Ihre Rolle?
An meinem Geschmack. Daran, was ich gerne mache und was ich gerne selber sehen würde. Da habe ich mich mit dem Regisseur und den anderen Schauspielern ganz gut getroffen.

Sie konnten also spielen, was Sie wollten?
Das sollte man als erwachsener Mensch wohl, man ist ja auch verantwortlich für das Menschenbild, das man da herstellt. Es gibt natürlich ein Drehbuch, zu dem man "ja" gesagt hat und an das sich alle halten. Und dann spielt man mit dem Material, der Regisseur, die Schauspieler. Es war ein angenehmes Arbeiten, ein sehr gutes Miteinander.

Sie ermitteln eher unorthodox und laufen in einer Szene der Unternehmerin bis auf die Toilette hinterher, wie ein verliebter Teenager.
Ja, das ist toll, weil man als Kommissarin völlig unbelastet aufdringlich sein kann. Man kann kurz auftauchen, jemandem auf die Nerven gehen und dann wieder verschwinden. Das ist mir lieber, als das Opfer zu spielen.

Wie ist es als Kommissarin an der Seite von Polizeihauptmeister Krause?
Super. Ich bin ja schließlich seine Chefin (lacht). Das war toll. Horst Krause weiß genau, was er will, was er macht und hat eine bestimmte Vorstellung davon, wie es auszusehen hat. Und meistens hat er damit auch recht. Ich habe gerne auf ihn gehört und finde, wir sehen gut zusammen aus. Wir sind ein ansprechendes Paar.

Mit Sophie Rois

sprach Sven Bock

Das ganze Interview lesen Sie auf lr-online.de/polizeiruf

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Wer Hochspannung beim Sonntagabend-Krimi erwartet, sollte dieses Wochenende besser nach einer Alternative suchen: Der neue "Polizeiruf" ist vieles, aber kein klassischer Mördersuch-Film. Schließlich gibt es noch nicht mal einen Mord. Viel mehr müssen die neue Kommissarin Tamara Rusch und Polizeihauptmeister Krause tief in ein Familiendrama eindringen, was vor allem der Rusch-Darstellerin Sophie Rois viel Freude bereitet. So penetrant aufdringlich war zuletzt nur "Columbo". Die Chemie im Ermittlerduo stimmt sichtbar, auch wenn die Story hin und wieder ins Skurrile abdriftet. Zulasten des spannenden Krimistoffes.