Der Mainzer Parteienforscher JÜRGEN FALTER geht nicht davon aus, dass sie sich von diesem Rückschlag erholen wird. "Wenn die moderaten Kräfte die Führung verlassen, dann war's das", so der Experte. Übrig bleibe eine "radikale Truppe", die sich auch stärker angreifbar mache. "Bisher war das ein sehr breites Bündnis mit sehr unterschiedlichen Positionen. Wenn man jetzt in Richtung Rechtsextremismus geht, dann werden viele der Demonstranten zu Hause bleiben", prophezeit Falter. Denn dafür gebe es in der Bevölkerung "eine starke Selbstzensur".

Auch der Berliner Parteienforscher GERO NEUGEBAUER kommt zu dem Schluss: "Das ist der Anfang vom Ende." Pegida sei das Original gewesen. "Alles, was nun folgen kann, ist eine Kopie, die nicht die gleiche Erregung auslösen wird." Die Anhänger von Pegida würden jetzt bei ihrer Führung erleben, was bei der Politik keiner schätze, nämlich Streit. "Auch deshalb wird die Bewegung an Wirksamkeit verlieren, zumal ihr eine zündende Idee fehlt, die auf Dauer trägt."

Für KARL-RUDOLF KORTE, Politikprofessor an der Universität Duisburg-Essen, war Pegida schon vor dem Zerfall ihrer Führung auf einem absteigenden Ast. Die Unverwechselbarkeit von Pegida habe darin bestanden, sich dem etablierten politischen System zu verweigern. "In dem Moment, in dem sie auf etablierte Strukturen zugegangen ist, also beispielsweise Pressekonferenzen abgehalten hat, ist ihr die Hauptantriebskraft verloren gegangen", analysiert Korte. Die Leute hätten als Sammelbecken protestiert und nicht gewusst, wofür und wogegen. "Die Intransparenz war praktisch Teil des Erfolgs." Gleichwohl sei "die Grundhaltung, nämlich Protest, nicht weg", so der Politikforscher.

Bleibt die Frage, wie sich dieser Protest künftig äußern könnte. Nach Kortes Einschätzung müssen sich die etablierten Parteien stärker um diese Menschen kümmern: "Das ist die Stunde der etablierten Parteien."

Neugebauer indes hat Zweifel am Gelingen: "Ein Teil der Leute wird zu Hause bleiben und in den Zustand des grummeligen Bürgers zurückfallen." Und Falter ergänzt: "Die Gemäßigteren werden wahrscheinlich in Richtung AfD abwandern. Bei anderen ist es denkbar, dass sie von der rechtsextremen NPD aufgefangen werden."

Die Sicherheitsbehörden haben ein solches Szenario bereits auf dem Schirm. Von Interesse sei, ob nun rechtsradikale Gruppen wie die NPD versuchen würden, Pegida-Reste hinter sich zu scharen oder für sich zu mobilisieren, erklärt der Präsident des sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, GORDIAN MEYER-PLATH. In Leipzig und den anderen Pegida-Ablegern seien die Einflussversuche von rechtsextremen Gruppen bereits viel direkter und stärker gewesen als bisher in Dresden. Zwar stehe Pegida nicht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, so Meyer-Plath weiter. Seine persönliche Einschätzung sei aber, dass die Dresdener Bewegung ausei nanderfallen werde.