Dies wurde auf einer Konferenz am Mittwoch dieser Woche in Berlin deutlich.
Polens neuer Botschafter in Berlin, Marek Prawda, meinte auf der Konferenz zwar, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern seien besser als ihr Ruf. Aber dann kam der Diplomat unverblümt auf die Spannungen zu sprechen. Es gebe eine "Vertrauenskrise" und eine "Neubegründung" des deutsch-polnischen Verhältnisses sei notwendig. Wichtig sei es, "dass wir jetzt ins Gespräch kommen". Es müsse jetzt "alles erarbeitet werden."
Tatsächlich haben sich die politischen Turbulenzen bislang noch nicht merklich auf die Wirtschaftsbeziehungen ausgewirkt. Nach wie vor verzeichnet der Handel zwischen den beiden Ländern enorme Zuwachsraten und inzwischen nimmt auch die Zahl und das Volumen der polnischen Investitionen in Deutschland beachtlich zu. Beispielhaft dafür sind die Aktivitäten des polnischen Busherstellers Solaris, der mittlerweile einen Marktanteil von 15 Prozent erreicht hat. Polnische Unternehmen, so Michal Jonczynski, der Geschäftsführer der Firma, erziele jetzt nicht mehr in erster Linie über den Preis Erfolge, sondern zunehmend über die Qualität der Produkte.
Aber auf der Konferenz wurde auch sehr deutlich, dass nicht nur der Ton rauer geworden ist. Wechselseitige Vorwürfe über unfaire Behandlung und bürokratische Erschwernisse bestimmten einen Großteil der Debatte. Der Leiter der Handelsabteilung an der polnischen Botschaft in Berlin, Jozef Olszynski, sprach ausführlich über die Ungleichgewichtigkeit in den Beziehungen. Es gelte, Lücken zu schließen, meinte er und dies war vor allem eine Aufforderung an die Deutschen. Die würden zu wenig wissen von Polen, bemühten sich nur selten darum, die Sprache des Nachbarn zu verstehen und hätten noch immer eine völlig falsche Vorstellung von der polnischen Wirtschaft und ihren Produkten.
Vor allem aber beklagte Olszynski, dass die Bundesrepublik weiter den Zugang polnischer Arbeitnehmer und Dienstleister auf den deutschen Markt stark einschränke. Insgesamt sind derzeit etwa 20 000 zumeist als Einpersonenunternehmung geführte polnische Firmen in der Bundesrepublik gemeldet. Oft aber werde gegen die mit einer Schärfe vorgegangen, die nur als "wettbewerbsfeindlich" bezeichnet werden könne. Umgekehrt gelte in Polen viel eher der Grundsatz, dass alles, was nicht ausdrücklich verboten sei, auch erlaubt werde. Davon würden auch deutsche Firmen profitieren.
Staatssekretär Joachim Wuermeling (CSU) vom Bundeswirtschaftsministerium seinerseits verteidigte das deutsche Vorgehen, das vor allem der Bekämpfung der Schwarzarbeit diene. Aus seiner Sicht wird es bei den Zugangshindernissen für Polen bis zum Jahr 2011 bleiben. Es werde allerdings für den Grenzraum und für den Ausbildungsbereich darüber nachgedacht, die Arbeitsaufnahme von Polen weiter zu erleichtern. Auch solle Unternehmen, die in beiden Ländern tätig seien, geholfen werden.
Der Staatssekretär zitierte seinerseits ein polnisches Sprichwort. "Es gibt nichts Schlechtes, was nicht gut wird" - eine ebenfalls ganz undiplomatische Antwort auf die polnischen Klagen.