Das Buch trifft offenbar einen Nerv. Ob Beschneidungsdebatte oder die Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Journalisten Jakob Augstein - die Frage, wie es die Deutschen mit den Juden und ihrem Staat halten, kehrt regelmäßig in die Schlagzeilen zurück. Tenenbom hat eine griffige Formel: "Die Deutschen haben eine Obsession mit den Juden und mit Israel", sagte er bei einer Diskussion mit dem Autor Rafael Seligmann und dem "Zeit"-Reporter Christoph Dieckmann in der Berliner Volksbühne. Bei dieser Geschichte kein Wunder, weiß der Theatermacher aus New York. Aber Tenenbom fragt sich, wieso viele in Deutschland die Lage der Palästinenser in Gaza so bedauern, aber kein Wort über die noch schlimmere Situation der Palästinenser in Jordanien verlieren. Und auch er mag Benjamin Netanjahu nicht. Aber anders als Mahmud Ahmadinedschad drohe Israels Premier nicht mit der Auslöschung Irans.

Ja, Antisemitismus gebe es überall auf der Welt, doch in Deutschland kämen die Schuldgefühle dazu - und der Versuch, sie auf dem Weg der Israelkritik abzuwehren. Auf seiner Reise durch Deutschland sei er immer wieder mit Antisemitismus und Vorurteilen gegenüber Israel konfrontiert worden. "In Deutschland habe ich zum ersten Mal gespürt, dass ich Jude bin", sagt er. Er sei nicht losgezogen, um den Antisemitismus zu finden. Das Thema habe sich ihm aufgedrängt.

Tenenbom rattert seine Sätze ins Mikrofon, haut mal gerne auf den Putz. Zwar spricht auch Rafael Seligmann von Vorurteilen und Beleidigungen, doch der Schriftsteller, der als Kind aus Israel nach Deutschland zog und in München aufwuchs, versucht Tenenboms Tiraden etwas herunterzukühlen. "Antisemitismus gibt es überall auf der Welt", sagt er. Gegen Minderheiten, vor allem wenn sie tüchtig seien, gibt es überall Ressentiments.