Auf der Theaterbühne war es schon, auf dem Kirchentag in Cottbus, in den Zeitungsspalten und Online-Foren auch, und auf verschiedenen Podiumsdiskussionen spielte die Debatte ebenfalls eine Rolle: Die "Lausitz 2030", das Zukunftsprojekt der Region, initiiert von der LAUSITZER RUNDSCHAU. Ideen gibt es viele, aber welche Schlussfolgerungen sind zu ziehen? Dafür gibt es von der Heimatzeitung eine Handreichung. Eine Zwischenbilanz.

Demografie

Die Lausitz verliert bis 2030 nach heutigen Prognosen mehr als 20 Prozent ihrer Bevölkerung und landet bei etwa 870 000 Menschen. Daraus ergeben sich eine Reihe von Problemen. Der Facharbeitermangel ist bereits heute zu spüren. Die Lausitz muss also attraktiv werden für Zuzügler aus dem In- und Ausland.

Schwieriger und teurer wird die Versorgung auf dem Land, zum Beispiel in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Gefragt sind intelligente Kooperationen. Große Einigkeit besteht darin, dass gerade auf dem Land das Internet schneller werden muss.

Die wichtigsten Ideen

Eine Reihe von Ideen fallen auf, weil sie häufig wiederkehren. Die BTU. Fast alle, die sich zu "Lausitz 2030" geäußert haben, hoffen darauf, dass die BTU Cottbus-Senftenberg einen großen Sprung macht, zu einer wichtigen wissenschaftlichen Institution und zum Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung wird. Insgesamt tauchen die Themen Bildung und Wissenschaft immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen auf. Von den Schulen wird im Allgemeinen mehr Praxisbezug gefordert.

Infrastruktur. Häufig angemerkt wird die Notwendigkeit des Ausbaus von Bundesstraßen und Ortsumgehungen. Dazu bedarf es Fördergelder vornehmlich vom Bund. Die Zeit drängt, weil gerade der neue Bundesverkehrswegeplan entsteht, der nach seiner Fertigstellung bis 2030 Gültigkeit bekommt. Ohne ein gutes Verkehrsnetz ist jede Hoffnung auf eine wirtschaftliche Entwicklung umsonst.

Osteuropa. Nach wie vor eine Rolle spielt in vielen Überlegungen der Markt im Osten. Auch wenn es die politische Großwetterlage zurzeit aufgrund des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine nicht wirklich leicht macht: Langfristig wäre es wohl fatal für die Lausitz, diesen Markt aus den Augen zu verlieren.

Modellregion. Wiederkehrend ist auch der Gedanke, die Lausitz zu einer Modellregion oder einem "Reallabor" zu machen, ohne dass die Autoren diesen Gedanken weiter konkretisieren. Insgeheim verbirgt sich dahinter die Hoffnung, als Region ein Alleinstellungsmerkmal herauszubilden. Und insgeheim auch, dass Bund und Land möglichst viel in die Lausitz investieren, um ein Vorzeigemodell zu schaffen, das zeigt, wie aus einer scheinbar absteigenden Region eine aufsteigende wird.

Energie. Wirtschaftlich werden die größten Chancen in der Energiebranche gesehen. Mehrere Autoren verweisen aber auch auf die Gefahr, andere Branchen zu übersehen, die in der Lausitz durchaus eine Rolle spielen, so der Maschinenbau und die Chemie oder auch Branchen, die sich zurzeit fast gar nicht im Blickfeld der Wirtschaftsförderer befinden, zum Beispiel attraktive Nischenmärkte. Beklagt wird in einigen Beiträgen die geringe Gründermentalität in der Lausitz.

Tourismus. Immer wieder herbeizitiert wird von den Autoren die Tourismusbranche. Spreewald, Seenland, die Metropolen Berlin und Dresden in der Nähe - das ist attraktiv. Aber attraktiv genug, um sich gegenüber einer weltweiten Konkurrenz zu behaupten? Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren in der Lausitz gilt als problematisch, gemeinsame Vermarktungsstrategien sind nur vage erkennbar.

Wer macht's? Viele Akteure denken über die Zukunft der Lausitz nach, wer aber koordiniert den Prozess? Wer geht vorneweg?

Einige Autoren der Serie "Lausitz 2030" fordern die Schaffung eines Instituts für innovative Entwicklung, das eng mit der BTU zusammenarbeitet. An anderer Stelle findet sich der Vorschlag, einen virtuellen Lausitz-Vorstand zu etablieren, was nichts anderes bedeutet, als eine regionale Führungsstruktur zu schaffen.

Die etwas andere Vision

Das Land verwüstet, die BTU zur Volkshochschule verkommen - das ist die Endzeit-Vision von Lars Krause, Cottbuser Vorsitzender der Partei "Die Partei". Krause setzt dem aber auch eine Wunsch-Vision entgegen: Am Cottbuser Ostsee entsteht Neu-Aleppo, ein syrisches Dorf, das Flüchtlinge nach dem Vorbild ihrer zerstörten Heimat errichten.

Der entstehende Ostsee regt auch Gabi Grube vom Cottbuser Stadtmarketing- und Tourismusverband an, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. In ihrer Vision spielt auf einer Seebühne eine Band, die nur deshalb zu sehen und zu hören ist, weil Fans in die Pedale von Fahrrädern treten, die Bühnenstrom für Sound und Licht erzeugen. Das Kraftwerk Jänschwalde ist in diesem Zukunftsmosaik zum größten Landschafts- und Energiemuseum Ostdeutschlands geworden.

Starke Zitate

"Es lebe die Verhinderung." (Sophie Redisni, Leserin). "Kostenfreie Kita-Plätze für alle." (Angelika Koal, Leserin). "Himmliche Ruhe und feinstaubfreie Luft im wirtschaftsfreien Rentnerreservat Lausitz." (Dieter Saalbach, Leser).

"Die lokalen Akteure sind gefragt. Von Bund und Land Lösungen zu erwarten, wäre wohl eine Illusion." (Joachim Ragnitz, ifo-Institut für Wirtschaftsforschung). "Zukunft beginnt immer jetzt." (Wolfgang Krüger, IHK Cottbus). "Auch 2030 wird kein Unternehmer ein Geschäft betreiben, bei dem er nicht das Geld verdient, mit dem er seine Mitarbeiter und die Investitionen bezahlt." (Michael von Bronk, Wirtschaftsinitiative Lausitz).

"Liebe Politik, wir müssen reden." (Christian Böllhoff, Prognos AG). "Es ist nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf! Wir müssen endlich Gas geben." (Jürgen Türk, ehem. Bundestagsabgeordneter). "Der Gewinn an der großen Zukunftsserie der LAUSITZER RUNDSCHAU ist, dass sie diese Debatte anregt, befeuert, strukturiert." (Martin Röder, Staatstheater Cottbus).

"Das Warten auf ein Wunder aus Potsdam wäre töricht." (Reinhard Schulze, Unternehmerverband Brandenburg-Berlin). "Das derzeitige Klein-Klein vieler unterschiedlich motivierter Interessengruppen wird nicht zu dem Ergebnis führen, das die Region unbedingt benötigt. Ein solches Projekt muss mit Etabliertem brechen. 2030 ist schon morgen." (Karl Heinz Tebel, BASF Schwarzheide).

Zum guten Schluss…

… ein Zitat aus einem Gespräch mit einem Leser: "Ärmel hochkrempeln. Machen."