Der Jet der Tochterfirma Aeroflot-Nord explodierte offiziellen Angaben aus Moskau zufolge gestern früh nach dem Aufschlag am Rand der Industriestadt Perm am Ural, knapp 1400 Kilometer östlich der Hauptstadt. In den Trümmern starben sieben Kinder und auch 21 Ausländer.

Armeegeneral unter den Todesopfern
Die Ursache der Flugzeugkatastrophe ist noch unklar. Die Ermittler gingen allen möglichen Ursachen für die Katastrophe beim Landeanflug in 1800 Metern Höhe nach, sagte Aeroflot-Chef Waleri Okulow. Am 43. Geburtstag von Präsident Dmitri Medwedew schlossen die Behörden auch einen Terroranschlag nicht aus. Laut Regierung starb bei dem Absturz auch der im Kaukasus äußerst umstrittene Armeegeneral und Präsidentenberater Gennadi Troschew, der während des Tschetschenien-Kriegs in den 1990er-Jahren die russischen Truppen im Nordkaukasus kommandiert hatte. Troschew beriet den Kreml in der Kosakenfrage. Zudem waren hohe Funktionäre des Sambo-Sportverbandes an Bord. Der Ex-Präsident und heutige Regierungschef Wladimir Putin ist ein erklärter Anhänger der russischen Kampfsportart Sambo, einer Selbstverteidigung ohne Waffe.
In Perm gab es Moskau widersprechende Angaben zum Zeitpunkt der Explosion des Flugzeuges. Augenzeugen berichteten, dass die Maschine bereits in der Luft explodiert sei. Der russische Luftverkehrsexperte Anatoli Kwotschur hielt diese Version für möglich, da die Trümmer in einem ungewöhnlich großen Umkreis von vier Kilometern verstreut waren. Viele Anwohner berichteten von Feuer in der Luft. „Das sah aus wie ein Komet“, sagte eine Frau einem russischen Fernsehsender. Das Fernsehen zeigte ein verkohltes Wrackteil in einem Gemüsegarten.
Unklar blieb gestern, warum die Maschine zu einem zweiten Landeanflug auf Perm ansetzen musste. Die Boeing war vor der Landung in einem unbewohnten Gebiet der östlichsten Millionenstadt Europas abgestürzt. Bis zu den Hochhäusern seien es nur einige Hundert Meter gewesen. Die Maschine habe in 1800 Metern Höhe den Kontakt zur Flugleitung verloren, sagte eine Zivilschutz-Sprecherin. Ermittler stellten gestern die beiden Flugschreiber sicher, mit deren Hilfe die Ursache des Unglücks geklärt werden soll.

Bericht über Triebwerksausfall
Die Aeroflot-Führung teilte mit, dass das 15 Jahre alte Flugzeug noch in diesem Jahr gewartet worden sei. Ein Radiosender berichtete, dass ein Triebwerk an der Boeing ausgefallen war. Durch den Aufprall der Flugzeugteile wurden am Boden auch Gleisanlagen sowie Elektroleitungen der Transsibirischen Eisenbahn auf etwa einem halben Kilometer Länge zerstört. Auf der Bahnstrecke suchten Helfer in Tausenden von kleinen Trümmerteilen nach Hinweisen auf die Ursache. Moskau entsandte zudem eine Sondermaschine mit 60 Bergungskräften, Ermittlern und Psychologen, um die Angehörigen der Opfer zu betreuen. Niemand habe den Absturz überleben können, sagte Zivilschutz-Sprecherin Irina Andrianowa.
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