Weil die Schalte nach Bratislava einfach nicht klappt, rufen sie erstmal "Merkel muss weg!". Viel Kraft ist nicht dahinter. Die versprochene große Show am Elbufer bleibt aus. Frontmann Lutz Bachmann liegt, wie es heißt, krank im Bett, Frontfrau Tatjana Festerling spricht auf einer fremdenfeindlichen Demonstration in Warschau. Da bleibt der Dresdner Mutterbewegung nur ein einsamer Siegfried Däbritz auf der Bühne - die Nummer drei an der Spitze der selbst ernannten patriotischen Europäer.

An die 8000 Pegida-Anhänger versammelten sich an diesem Sonnabend am Dresdner Königsufer. Das waren etwa doppelt so viele wie der harte Kern der Bewegung, der sonst montags aufmarschiert. Doch es waren deutlich weniger Teilnehmer als erwartet. Groß hatte die Pegida-Führung für den internationalen Aktionstag für die "Festung Europa" geworben.

Mobilisiert hat die Bewegung in Dresden dann doch eher ihre Gegner. Die versammelten sich auf der anderen Elbseite auf dem Theaterplatz. Mehr als zehn Initiativen hatten zum Anti-Pegida-Protest unter dem Motto "Herz statt Hetze" getrommelt. Und wo sonst höchstens ein paar Hundert Leute kommen, waren es diesmal Tausende, die ein Zeichen für sächsische Willkommenskultur setzen wollten. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) wollte "das Bild eines anständigen Sachsens zeigen", Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will "die Stadtgesellschaft wieder einen". Doch wie schwer das wird, offenbarte sich zeitgleich am Königsufer. Dort riefen die Anhänger von Pegida wie üblich "Lügenpresse" und "Widerstand". Auf Schildern trugen sie Parolen gegen den Islam, gegen Rundfunkgebühren und gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Schau. Mit Banner grüßten Gleichgesinnte aus Sondershausen und Großenhain - kein Amsterdam, kein Birmingham.

Die Stimmung blieb mau. Ein Schweigemarsch war diesmal nicht vorgesehen. Kein prominenter Redner war da. Das Publikum, größtenteils mittleren Alters und aus den umliegenden Städten, langweilte sich und zerstreute sich schnell. Dann versagte noch die Technik. Keine einzige Live-Schalte zu den angekündigten 13 internationalen Schwesterdemos kam zustande. In Calais und Kopenhagen, wo jeweils etwa 100 Demonstranten gezählt wurden, gab es einige Festnahmen. In Montpellier in Südfrankreich gingen etwa 200 Demonstranten gegen Migranten auf die Straße.

Bei einer Demonstration von 400 Islamfeinden im australischen Canberra wurde skandiert: "Wir lieben Schweinefleisch" und "Wer zum Teufel ist Allah?".

In Prag, Warschau und in der Slowakei hatten sich auch nur wenige Hundert Menschen unter dem Pegida-Banner zusammengefunden. Stattdessen behalf man sich mit martialischer Symbolik. Stämmige Fahnenträger am Ufer sollten wohl so was wie die Wacht an der Elbe darstellen.

Sachsens Polizei war am Samstag in Dresden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Es blieb insgesamt ruhig, bilanzierte ein Sprecher am Sonntag.

Kommentar: Pegida langweilt sich zu Tode