Danach sank im vergangenen Jahr erstmals seit der Wende die Einwohnerzahl Brandenburgs, nachdem das Land aufgrund der Berliner Zuzügler jahrelang das einzige Ost-Bundesland mit Bevölkerungswachstum war. Inzwischen liegt die Einwohnerzahl erstmals unter der 2,6-Millionen-Marke - bei 2,593 Millionen Einwohnern. Das sind rund 9000 weniger als 2000. In diesem Jahr werde es einen Rückgang in der gleichen Größenordnung geben, sagte Arend Steenken, Präsident des Landesamtes für Statistik.
Die Statistik müsste die Politik alarmieren, denn das Ende des Zuzugsbooms führt dazu, dass der Brandenburger Lebensbaum schneller altert als bislang erwartet. Denn Jahr für Jahr werden in Brandenburg ohnehin weniger Kinder (2001:17 692) geboren als Menschen sterben (2001: 25 889). Der Geburtenanstieg aus dem Jahr 2000 auf damals 18 444 Geburten, den manche Politiker als positive Trendwende ansahen, hat sich also nicht fortgesetzt. Doch bislang hatte Brandenburg als einziges Ost-Bundesland den Geburtenrückgang nach 1989 und die Abwanderung in alte Bundesländer durch Zuzüge kompensieren können und sogar Bevölkerungszuwächse verbuchen können.

Auch "Rückkehrer" nach Berlin
Das ist nicht mehr der Fall, so Steenken. Im Gegenteil: Erstmals seit 1992 ist nicht nur der natürliche Bevölkerungssaldo, sondern jetzt auch der Wanderungssaldo negativ: Danach verließen allein 2001 rund 71 801 Brandenburger das Land - während zugleich 71 128 Menschen (671 weniger) hierher zogen.
Besonders auffällig ist dies im Verhältnis zu Berlin: Zwar zogen im Vorjahr 34 000 Berliner ins Brandenburger Umland. Doch im Jahr 2000 waren es noch 38 000, im Jahr 1999 sogar noch 43 900. Zugleich packen immer Brandenburger ihre Koffer in Richtung Berlin, darunter allerdings auch "Rückkehrer" : 22 355 im Jahr 2001, so viel wie noch nie. Im Jahr 2000 waren es rund 21 000.

Verödung der Randregionen
Hinzu kommt, dass sich die Verödung der Randregionen weiter verschärft, da vor allem von dort tausende Menschen wegziehen, während der Speckgürtel weiter wächst: 51 000 Zuzügen im Umland standen 2001 lediglich 33 600 Wegzüge gegenüber. In der Prignitz dagegen leben heute noch 94 000 Menschen - 117 000 waren es 1990. Und die Städte Brandenburg oder Frankfurt/Oder haben im letzten Jahrzehnt ein Fünftel ihrer Bevölkerung verloren. Nur Potsdam verbucht inzwischen wieder Zuwächse. Die Bevölkerungszahl kletterte 2001 erstmals seit Jahren wieder über die 130 000-Einwohner-Marke.