Doch dann wurde die 26-Jährige Lüneburgerin ein Fall für die Polizei. Denn da hockte Tomaschek in der Baumkrone eines Spitzahornbaumes an der Kreisstraße zwischen Rüdnitz und Danewitz (Barnim).

Fahrbahn soll breiter werden
Die junge Naturschützerin wollte eigentlich gleich mehrere Tage und Nächte in luftiger Höhe ausharren - aus Protest gegen die beabsichtigte Fällung der über 100 Jahre alten Allee, die zu den schönsten in Brandenburg zählt. Die Kreisverwaltung Barnim will hier im Zuge der Straßensanierung der etwa zwei Kilometer langen Trasse und der damit verbundenen Verbreiterung der Fahrbahn rund 700 Ahornbäume fällen lassen.
Sämtliche Rettungsversuche von Naturschützern und Alleenfreunden waren bis dato gescheitert, die untere Naturschutzbehörde des Landkreises erteilte nach monatelangem Tauziehen jetzt die Fällgenehmigung, basierend auf einem Gutachten zur Verkehrsgefährdung der alten Bäume. "Die malerischen Alleen sind ein Markenzeichen Brandenburgs und inzwischen auch eine touristische Attraktion. Deswegen müssen sie erhalten werden", erklärte die 26-Jährige, die Teilnehmerin eines nagelneuen Studienganges Klimawandel an der Eberswalder Fachhochschule ist.
Doch bereits nach wenigen Stunden konnten Polizisten und Ordnungsamtsmitarbeiter der Studentin klarmachen, dass es für sie besser wäre, freiwillig wieder herabzusteigen. Da sie sich und andere gefährde, müsse sie ansonsten von der Feuerwehr auch gegen ihren Willen vom Baum geholt werden und diesen kostenintensiven Rettungseinsatz schließlich auch selbst bezahlen.

Anwohner geteilter Meinung
Ihr ziviler Ungehorsam gegen Behördenwillkür war beendet und in die angrenzenden Dörfern kehrte zunächst wieder Ruhe ein. Von dort aus hatten Einwohner die Protestaktion der Studentin argwöhnisch beobachtet. Während die einen sich Sorgen um die Gesundheit der jungen Frau machten, ihren Mut bewunderten, den Erfolg der Protestaktion allerdings anzweifelten, schüttelten andere aus Unverständnis nur den Kopf.
Denn im Dorf ist man geteilter Meinung. Manche wollen die prächtige Allee ebenso retten, wie Tomaschek. Andere sehen eher die Gefahren, die von den alten Bäumen ausgehen. So sei im vergangenen Jahr ein Sturm durch den Ort gefegt. Vor allem herabfallende Äste hätten damals Schaden angerichtet, erzählen einige. "Sicher ist es bedauerlich - wenn die alten Ahornbäume aber krank und kaputt sind, müssen sie gefällt werden", sagt Anwohnerin Christa Michl. Naturschützer befürchten, dass mit der Abholzung zwischen Rüdnitz und Danewitz ein Präzedenzfall in Brandenburg geschaffen werden soll und bei Erfolg auch andere Alleen in Brandenburg der Säge zum Opfer fallen könnten. Die Grüne Liga zieht deshalb jetzt gegen den "Naturfrevel" vor Gericht. Der Kreis Barnim will indes die Baumfällung so schnell wie möglich ausschrei ben, auch um die bewilligten EU-Fördermittel termingerecht einsetzen zu können. Nach der Straßensanierung soll die Strecke dann neu bepflanzt werden.