Und man merkt es dem Weltmeister von 1974 auch nicht an: Drahtig wie eh und je, Falten im Gesicht, aber noch immer im Besitz seines einstigen Kampfgewichts von etwa 73 Kilogramm - und noch immer Fußballer voller Leidenschaft. "Fußball ist mein Leben. Ich habe nie ohne ihn gelebt und kann nicht ohne ihn leben", sagte Overath einmal.

Der Fußball indes hat für den Leidenschaftlichen aber auch Leiden geschaffen. Ganz verwunden hat er es nie, dass er im November 2011, nach sieben Jahren Amtszeit als Präsident seines 1. FC Köln im Frust zurücktrat oder nach Fan-Anfeindungen möglicherweise sogar zurücktreten musste. Auf Kölsch und nach bitteren Tränen verabschiedete sich der gebürtige Siegburger seinerzeit mit den Worten: "Vielen, vielen Dank - und maht et jot" (macht es gut).

So wie Overath sich dem möglichen Geburtstagsrummel entzieht, war er eigentlich immer, ließ sich nie als TV-Experte, Medienkolumnist oder Werbemensch einspannen. Bodenständig, ein Familien-Mann, dem seine Frau Karin, die beiden leiblichen Söhne und die brasilianische Adoptivtochter wichtiger sind als anderes. "Ich stand immer auf der Sonnenseite des Lebens, hatte immer Glück", pflegt Overath zu sagen. Für sein Sozialengagement, mit dem er sich Obdachlosen in Siegburg und Köln widmet, erhielt er 2008 das Bundesverdienstkreuz.

Seine Popularität stellte er in den Dienst Anderer. 1994 gründete Overath, der 1966, 1970 und 1974 an drei Weltmeisterschaften teilnahm, hauptsächlich mit eigenen Finanzmitteln den nach ihm benannten Fonds, durch den Menschen in Notlagen Hilfe erhalten. Siegburg machte ihn 2003 zum Ehrenbürger. Fünf Jahre nach dem Erreichen des Rentenalters kann es Overath kaum glauben, dass er schon 70 wird. Diese Zahl könne man nicht mehr verändern. Doch er ist - nicht nur äußerlich - ein Junger geblieben. Als Hobby-Fußballer ist er ehrgeizig wie zu seinen Glanzzeiten mit dem WM-Triumph von 1974 als Höhepunkt. Der klassische Spielmacher von einst ist und bleibt ein Fanatiker des Hobbys, das dem gebürtigen Siegburger so vieles gab: Fußball. Das war und ist sein Leben.