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| 02:38 Uhr

56 000 Menschen starben im KZ Buchenwald

Weimar. Am 15. Juli 1937 steht der 52-jährige Friedrich Peters zum ersten Mal auf dem Ettersberg, einem knapp 500 Meter hoch gelegenen Berg bei Weimar. dpa/fh

Er gehört zu den ersten 149 Häftlingen, die ins neu eingerichtete Konzen trationslager Buchenwald verschleppt werden. Noch ist von einem Lager kaum etwas zu erkennen, das sollen die Gefangenen selbst aufbauen. Hinter Peters, Nazi-Gegner aus Flensburg, liegen da bereits mehr als vier Jahre Haft - erst Gefängnis, danach die KZ Esterwegen im Emsland und Sachsenhausen bei Berlin. 80 Jahre nach der Lagererrichtung haben Historiker die Schicksale der ersten Häftlinge von Buchenwald, einem der größten nationalsozialistischen Konzentrationslager, erstmals umfassend dokumentiert.

"Wir haben die Inhaftierungswege dieser Männer nachvollzogen", sagt Henning Borggräfe, Historiker beim Suchdienst International Tracing Service (ITS) im hessischen Bad Arolsen, der bei der Erforschung von Häftlingsschicksalen seit Kurzem mit KZ-Gedenkstätten wie Buchenwald kooperiert. Der Suchdienst stellt ihnen von den Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) zusammengetragene und vollständig digitalisierte Unterlagen über NS-Opfer zur Verfügung. Allein für Buchenwald sind das nach Angaben der Gedenkstätte zwei Millionen vollständig digitalisierte Unterlagen für mehr als 200 000 Häftlinge.

So untersuchten die Forscher, woher die ersten Gefangenen kamen, warum sie inhaftiert wurden, wie lange sie gefangengehalten wurden, ob sie überlebten oder zu den 56 000 Todesopfern des Lagers gehörten. In das KZ und seine Außenlager hatten die Nazis rund 280 000 Menschen verschleppt.

Friedrich Peters, der die Häftlingsnummer 44 erhält, gehörte zu den 52 politischen Häftlingen unter den Neuankömmlingen. Die Ankunft der Männer, die aus Sachsenhausen nach Weimar transportiert wurden, fällt in jene Phase, in der die Nationalsozialisten ein über Deutschland verteiltes neues System großer Konzentrationslager aufbauen.

"1936 gingen sie dazu über, eine neue Lagergeneration zu errichten, die direkt der SS unterstellt war", erläutert Rikola-Gunnar Lüttgenau, stellvertretender Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Die nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 eingerichteten provisorischen Lager wurden zugunsten der großen aufgegeben. Mit elektrisch geladenen Stacheldrahtzäunen, Wachtürmen und dem Terrorapparat aus Mord, Folter und Zwangsarbeit sollten sie Angst und Schrecken verbreiten und die Menschen im Sinne der NS-Ideologie gefügig machen. Buchenwald war nach Sachsenhausen die zweite große Lager-Neugründung unter der SS-Reichsführung.

Friedrich Peters durchleidet fast acht Jahre in Buchenwald. Im April 1945 gehört er zu jenen rund 20 000 Häftlingen, die die Befreiung durch US-Truppen erleben. Danach verliert sich seine Spur für die Forscher.