Was ist Aufgabe der Bad Bank FMS Wertmanagement (FMSW)?

In die Anstalt wurden vor einem Jahr 12 000 „Giftpapiere“ sowie riskante Geschäftsbereiche ausgelagert, damit die HRE, die heute Deutsche Pfandbriefbank heißt, mit bereinigter Bilanz neu durchstarten kann. So musste die FMSW hochriskante Kreditverträge übernehmen. Mehr als die Hälfte der Verträge laufen noch bis über das Jahr 2020 hinaus, einige sogar bis 2060. Das abgestoßene Schrottvermögen soll nun von der FMSW langfristig zu möglichst guten Preisen losgeschlagen werden.

Und wie läuft die Abwicklung?

Bisher nicht schlecht. Stück für Stück konnte das Geschäft verringert werden. Seit dem Start am 1. Oktober 2010 konnte das Portfolio um rund 8,7 Prozent auf 160,5 Milliarden Euro zurückgeführt werden. In der Startphase hatte man rund 40 Banken, Versicherungen und andere Investoren angesprochen, um Papiere anzupreisen. Das beste Werbeargument ist dabei die hohe Bonität: Als staatliches Institut genießt man die höchste Kreditwürdigkeit von „AAA“. Stutzig wurde man, als die Bilanz sich plötzlich stark aufblähte.

Bei welchen Papieren passierte der Fehler?

Die FMSW führt auch 7000 Derivate in ihren Büchern. Das sind komplizierte Wertpapiere, mit denen auf alles Mögliche an den Märkten gewettet werden kann. Die Papiere werden zumeist nicht an der Börse gehandelt. Für die Geschäfte müssen daher laufend Sicherheiten hinterlegt werden. Deren Höhe richtet sich nach der Marktentwicklung. Läuft es schlecht, muss Geld nachgeschossen werden, steigt der Kurs, fließt Geld zurück. Diese Geldströme – also Guthaben und Zahlungen – werden in der Bilanz unter Aktiva und Passiva eigentlich regelmäßig gegeneinander verrechnet.

Wie kam es dann zu der gigantischen Panne?

Normalerweise werden diese Posten von Computern automatisch verrechnet beziehungsweise Ein- und Ausgänge saldiert. Dies ist offenbar in diesem Fall nicht geschehen und wurde möglicherweise nur per Hand geändert. Weshalb, ist bisher ungeklärt. Also wurden beide Zahlen addiert statt saldiert – Plus und Minus wurden schlicht verwechselt. In den Fokus rückt auch die HRE, die für das Abrechnungssystem der Bad Bank weiterhin zuständig ist. Die zuständigen Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouce Coopers betonen, dass sie in den betreffenden Teil keinen Einblick gehabt hätten, da wesentliche Teile der Rechnungslegung an einen externen Dienstleister ausgelagert worden seien – eben wohl die HRE.

Hat Deutschland jetzt plötzlich 55,5 Milliarden Euro mehr Geld?

Nein, leider nicht – denn es geht nicht um reales Geld, sondern „nur“ um eine Bilanzkorrektur. Durch den Fehler ist die Staatsschuld aber um 2,6 Punkte auf 81,1 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung gefallen. Aber: Die Steuerzahler können aufatmen: Die Bad Bank braucht vorerst nicht mehr Geld.

Und wer hat nun Schuld?

U nangenehme Fragen müssen sich nicht nur Wirtschaftsprüfer und Manager der HRE und FMSW gefallen lassen, sondern auch der Chef des staatlichen Bankenrettungsfonds FMSA. Alle Beteiligten sind am Mittwoch in Schäubles Ministerium erschienen. Der Minister sprach anschließend von einem „Missverständnis“. Der Vorgang sei „weitestgehend aufgeklärt“ .