In dieser Woche begrüßten die Universitätsstandorte Cottbus und Senftenberg ihre neuen ausländischen Studierenden mit herzlichen Empfängen. Doch was in den Vorjahren eher als informative Einführungsveranstaltung mit folkloristischen Einsprengseln gedacht war, wurde in diesem Jahr zu einem Politikum: Die fusionierte Universität kämpft um ihren internationalen Ruf - als Wissenschaftsstandort und als familiäre, liebenswerte Uni. Schlagzeilen von demonstrierenden Asylgegnern, NPD-Aufmärschen und gewalttätigen Angriffen auf Studenten sind Gift für das Image der BTU. Präsident Prof. Jörg Steinbach steuert gegen: mit der Ankündigung neuer Sicherheitsmaßnahmen - und mit mehr als warmen Worten zur Begrüßung der ausländischen Studierenden. "Welcome to our family", sagt er ihnen, "Willkommen in unserer Familie."

In diesem Wintersemester haben sich bisher 451 ausländische Studierende neu eingeschrieben, die Zahlen entsprechen etwa denen des Vorjahres. Die stärkste Gruppe kommt dabei aus China, gefolgt von Indien und Polen.

Die am meisten nachgefragten Studiengänge sind Environmental and Resource Management, Architektur, World Heritage Studies und Power Engineering, aber auch BWL und Medientechnik.

Unipräsident Steinbach fordert die Neulinge auf, sich nicht nur auf dem Campus aufzuhalten, sie sollen vielmehr die Städte und die Region erkunden, mit ihren Kneipen, Clubs und Sportangeboten. "Alles, was es in Berlin gibt, gibt es auch bei uns. Nur eben in Fußnähe."

Auch Henry Crescini, ehemaliger BTU-Student und jetzt Referent des Cottbuser Oberbürgermeisters, wollte den Studierenden Mut machen, sich in ihrer neuen Heimat angstfrei umzuschauen. "In Cottbus ist kein Platz für Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit."

Wie unvoreingenommen die Bevölkerung Menschen anderer Herkunft gegenüberträte, zeige sein eigenes Beispiel. "Ich als Venezolaner darf heute hier als Repräsentant einer großen deutschen Stadt stehen. Das zeigt doch, wie gut Integration funktionieren kann." Der Rassismus, dem die Studenten in ihrem Alltag möglicherweise begegnen, sei laut Crescini zu vernachlässigen. "Den gibt es in jeder Stadt, überall auf der Welt, da ist Cottbus nichts Besonderes." Und was geht in den Studierenden vor, oft Tausende Kilometer entfernt von ihrem Zuhause, ohne Familie und Freunde? Machen ihnen die fremdenfeindlichen Übergriffe Angst? "Nein", sagt Kendra Rink aus Kanada. Sie genieße die internationale Atmosphäre am Campus, den Austausch mit vielen unterschiedlichen Menschen.

Auch Hannah Macken aus Irland lässt sich nicht einschüchtern. "Natürlich war es etwas beängstigend zu hören, dass auf dem Campus Studenten angegriffen wurden." Angst mache ihr das aber nicht. Cyril Tawil aus dem Libanon ist auf Empfehlung eines deutschen Professors nach Cottbus gekommen. Auch er glaubt nicht, dass er während seines Studiums mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert wird. "Bisher fühle ich mich hier wohl."