Das Land Brandenburg will mehr Geld für seine Radwege ausgeben. In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 40 Millionen Euro für die Modernisierung von Fernradwegen zur Verfügung gestellt werden. Darauf machte jetzt der Landestourismusverband Brandenburg aufmerksam - und rief zugleich Landkreise und Kommunen auf, entsprechende Projekte anzuschieben.

Denn obwohl die Gelder bereits seit November 2015 beantragt werden können: Wie die RUNDSCHAU am Dienstag aus dem Potsdamer Wirtschaftsministerium erfuhr, haben sich zwar einige Landkreise für die neue Förderrichtlinie interessiert. Konkrete Förderanträge sind nach Angaben einer Ministeriumssprecherin bislang aber noch nicht eingegangen.

11 000 Kilometer Radrouten

"Moderne Radwege sind immens wichtig für Brandenburgs Tourismus", sagt der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Peter Krause. Denn ein Viertel aller Urlaubsgäste und mehr als zehn Prozent aller Tagesausflügler in Brandenburg führen mit dem Rad. Mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 850 Millionen Euro mache der Radtourismus immerhin rund 25 Prozent des gesamten touristischen Umsatzes im Land aus. Insgesamt gebe es in Brandenburg mehr als 11 000 Kilometer meist asphaltierte Radrouten, darunter 28 Radfernwege und rund 30 regionale Routen. Dennoch gleichen manche Radwege heute eher Buckelpisten: Schlaglöcher und von Baumwurzeln zum Aufplatzen gebrachter Asphalt sind auch in Brandenburg keine Seltenheit.

"Unsere Radwege entsprechen vielerorts nicht mehr den aktuellen Qualitätsanforderungen", sagt Dana Klaus vom Tourismusverband Dahme-Seen. Dabei hatte Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider noch im letzten Sommer bei einer Veranstaltung in Potsdam angekündigt, bis zum Jahr 2020 dafür sorgen zu wollen, dass die Brandenburger 16 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurücklegen. Im vergangenen Jahr waren das nur 13 Prozent.

Doch für eine bloße Sanierung eines Radwegs lassen sich die neuen Fördermittel gerade nicht verwenden. Die von der Landesinvestitionsbank Brandenburg (LIB) ausgereichten Zuschüsse müssten laut Landestourismusverband für Maßnahmen ausgegeben werden, die "innovativen und modernisierenden Charakter" haben. Bezuschusst würden beispielsweise "Wurzelsperren inklusive einer Oberflächenerneuerung, zusätzliche Rastplätze und Informationstafeln, die aktuellen Anforderungen und Qualitätsstandards entsprechen, Knotenpunktwegweiser, aber auch Lückenschlüsse, Verlegungen und Verbreiterungen der Radwege."

Zudem müssten die Landkreise in Partnerschaft mit den zuständigen Kommunen Instandhaltungskonzepte für die Zeit nach der Modernisierung vorlegen können und sich für mindestens 15 Jahre daran binden. Und es werden auch nicht alle Fernradwege gefördert: Während das Land Verbesserungen etwa am Fürst-Pückler-Radweg und dem Gurken-Radweg unterstützt, fehlen der Schwarze-Elster-Radweg, der Dahmeradweg oder die als "Uckermärkischer Radrundweg" vermarktete Route in der Förderrichtlinie.

"Es ist schade, dass bei diesem Programm wieder nur die prestigeträchtigen Radwege berücksichtigt werden", sagt der Grünen-Abgeordnete Michael Jungclaus, der selbst begeisterter Radfahrer ist. Insgesamt seien die 40 Millionen Euro nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein": "Wenn sich Kommunen verpflichten sollen, sich 15 Jahre lang um die Radwege zu kümmern, weiß ich nicht, wie das Kommunen anstellen, die heute schon ein Haushaltsproblem haben", sagt Jungclaus der RUNDSCHAU.

Sachsen geht andere Wege

Falsch sei es auch, auf das Aufstellen zusätzlicher Schilder zu setzen. "Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, habe ich nicht den Eindruck, dass fehlende Schilder ein Problem sind - es sind Schlaglöcher, und Wurzeln, die durch den Asphalt kommen."

Das Land Sachsen geht bei der Förderung von Fahrradwegen dagegen gänzlich andere Wege: Dort gilt seit Januar 2016 eine neue Richtlinie zur Förderung des Radwegebaus: Der Neubau, aber auch die Instandhaltung bestehender Radwege wird nach Informationen des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zu 90 Prozent vom Freistaat unterstützt. Nur zehn Prozent der Kosten müssen die Kommunen tragen.