Nach der Beschwerde eines Gastes habe die Datenschutzbeauftragte das Bad geprüft. "Wir haben dort etwa 40 installierte Kameras gefunden", so Hartge. "Das ging beim Parkplatz los, über den Eingangsbereich und die Umkleidebereiche bis zu Unterwasserkameras im Schwimmbecken." Die ersten Kameras seien vor sieben Jahren angebracht worden, seitdem seien Jahr für Jahr mehr und mehr installiert worden.

Am Ende einer gemeinsamen Begutachtung des Schwimmbads mit dem Betreiber seien lediglich drei Kameras übrig geblieben, die weiter in Betrieb seien. "Man muss manchmal ein bisschen nachdenken und kreativ sein, dann finden sich Alternativen zu Kameras", sagte Hartge. Gegen das Schwimmbad sei ein Bußgeld von 16 000 Euro verhängt worden. Da es sich um ein privates Bad handelt, konnte Hartge den Ort des Badbetreibers nicht nennen.

Ein weiteres Schwimmbad, die Kristall-Therme in Ludwigsfelde, wird derzeit vom bayerischen Landesdatenschutzbeauftragten geprüft. Auch dort finden sich Kameras in den Umkleidebereichen.

Wie Hartge weiter ausführte, erreichen die Datenschutzbeauftragte im vergangenen Jahr auch zahlreiche Beschwerden über Bäckereien oder Friseurgeschäfte. Dort bestehe offenbar Furcht, dass Kunden Ware stehlen, deswegen würden Kameras angebracht. Oft entsprächen diese aber nicht den Datenschutzrichtlinien.

So sei in einer Bäckerei eine Kamera mit Audioaufzeichnung festgestellt worden. "Die Kamera hatte keine Speichermedien installiert und war nicht in Betrieb", so Hartge. "Sonst wäre das sogar strafrechtlich relevant gewesen." Auch im Schulbereich wurde die Landesdatenschutzbeauftragte fündig: Ein Schuldirektor in Nauen hatte angeordnet, die Namen von Schülern, die sich daneben- benahmen und eine Sanktion erhielten, öffentlich auszuhängen. "Auch im Schulgesetz gibt es Datenschutzregeln", sagte Hartge. "Der Umgang mit den Jugendlichen war entwürdigend."

Scharfe Kritik übte Hartge auch am Umgang mit sensiblen Daten bei kommunalen Jobcentern. Dort würden vielfach Personalausweise, Krankenversicherungskarten, Sparbücher und Arbeitszeugnisse kopiert. "Datensparsamkeit sieht anders aus", sagte Hartge. "Arztbriefe, Atteste, Krankenhausbriefe - all das kann im kleinen Einzelfall eine Rolle spielen, aber es mitten in der Leistungsakte abzuheften, ist sicher der schlechteste Umgang damit."

Gerade der Gesundheitsbereich habe strenge Regeln zum Umgang mit Daten. Einen entsprechenden Umgang erwarte man auch von den Jobcentern. "Was Jobcenter dürfen, ist, einzelne Daten zu überprüfen", sagte Hartge. "Was definitiv nicht geht, ist, Personalausweise zu kopieren oder Sozialversicherungsausweise." Bei einem Sparbuch könne das Jobcenter notieren "Sparbuch vorgelegt" und "Sparbuch hatte am 1. Mai den Wert X". Das komplette Sparbuch dürfte dagegen nicht kopiert werden.