Fast drei Jahrzehnte kamen die Vereinten Nationen ohne Deutschland aus, dann waren es gleich zwei: Am heutigen Mittwoch vor 40 Jahren war es soweit: Nach langem diplomatischen Tauziehen wurden die Bundesrepublik und die DDR UN-Mitglieder. Bonn sah die Aufnahme als endlich umgesetzte Selbstverständlichkeit an, Ost-Berlin als diplomatischen Triumph.

Vier Jahrzehnte später gibt es nur noch ein Deutschland, aber ohne dieses könnten die UN kaum bestehen. "Für die Bundesrepublik waren die UN ein wichtiges Forum zur Rückkehr in den Kreis der geachteten Staaten. So war Bonn schon vor dem Beitritt in fast allen Unterorganisationen der UN mit dabei", sagt der Münsteraner Politikprofessor Sven Bernhard Gareis. Schon 1950, ein Jahr nach der Staatsgründung, wurde die Bundesrepublik Mitglied der Welternährungsorganisation und bald auch fast aller anderen UN-Sektionen.

Die DDR war weniger erfolgreich: "Um deren staatliche Anerkennung zu verhindern, spannte Bonn seine Verbündeten ein, um die DDR draußen zu halten. Der Preis dafür war, dass auch die Bundesrepublik nur ein Quasi-Mitglied ohne Stimmrecht blieb", resümiert der Politologe Gareis.

Ende der 1960er-Jahre kam Bewegung in die Organisation der Vereinten Nationen. 1971 löste die kommunistische Volksrepublik China (830 Millionen Einwohner) die Insel-Republik China (Taiwan/15 Millionen Einwohner) in der Weltorganisation ab. Und zwischen den beiden Deutschlands entwickelte sich mit dem Grundlagenvertrag eine gewisse Normalität. Mit der Folge, dass am 18. September zwei schwarz-rot-goldene Fahnen am East River hochgezogen wurden: eine mit Hammer und Zirkel, eine ohne.

Alphabetisch war die DDR eine Nasenlänge voraus: GDR war Mitglied 133, West Germany 134. In der Vollversammlung gab es wenig Euphorie. "Gezügelter Applaus", "ohne Begeisterung", schrieb damals die "Süddeutsche Zeitung". Besonders an der DDR gab es Kritik.

Während Israel die Aufnahme Westdeutschlands ausdrücklich unterstützte, warf sie dem Osten komplette Geschichtsverdrängung vor. Und eine westdeutsche Karikatur zeigte SED-Chef Walter Ulbricht, der mit der Rechten den UN-Antrag unterschreibt und mit der Linken einen Mauerschützen auszeichnet, dessen Opfer noch im Stacheldraht hängt. "Aber letztlich wurden beide erfolgreiche Mitglieder", bilanziert Politologe Gareis.

Die DDR saß für zwei Jahre im UN-Sicherheitsrat. Und beide Staaten stellten jeweils einmal den Präsidenten der Vollversammlung. 1990 gab es das UN-Mitglied DDR nicht mehr. Seitdem ist Deutschland vereint und ein Musterschüler.

"Deutschland ist eines der aktivsten Mitglieder dieser Gemeinschaft", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Montagabend (Ortszeit). "Sie sind der drittgrößte Beitragszahler", sagte er dem deutschen UN-Botschafter Peter Wittig. "Und so oft verlassen wir uns auf Sie." Auch der New Yorker Politologe Thomas Weiss lobt das "gewaltige Engagement", mahnt aber auch: "Ihr solltet aktiver sein." Auch gerade da, wo es Deutschland wehtut: "Viele wünschen sich eine größere Beteiligung an militärischen Einsätzen." Das mag man in Berlin nicht gern hören. Im Auswärtigen Amt denkt man lieber über eine Reform des Sicherheitsrates nach - mit einem Sitz für Deutschland natürlich. "Wenn wir die Rolle der Vereinten Nationen, gerade auch für Frieden und Menschenrechte, für Konfliktprävention stärken wollen, dann ist es wichtig, dass diese Vereinten Nationen die Welt wiedergeben, wie sie heute ist - nicht wie sie war nach Ende des Zweiten Weltkrieges", sagt Außenminister Guido Westerwelle.