Rund 40 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt hat er in seine Heimatstadt eingeladen, um mit einem diplomatischen Super-Gipfel das Stadtjubiläum zu begehen. Einiges vom Glanz einer der schönsten Städte der Welt - und des hohen Besuchs - fällt dann wohl auch auf Putin ab. Um die Polit-Prominenz aus aller Welt zu beeindrucken, machte der russische Staatschef 40 Milliarden Rubel (1,1 Milliarden Euro) öffentlicher Gelder locker und ordnete an, alle historischen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen von Petersburg in Windeseile zu renovieren.
Ganz so schnell, wie es der Staatschef wünschte, ging es freilich nicht. Die schöne Rivalin Moskaus, für die Zar Peter der Große im Mai 1703 den Grundstein legte, hat lange Jahre der Vernachlässigung und des Zerfalls hinter sich. An einigen markanten Punkten gelang es, den Zauber der Zarenzeit wieder auferstehen zu lassen. Der Winterpalast von Katharina der Großen, der die weltberühmte Eremitage, eines der größten Museen der Welt, beherbergt, glänzt wie früher prachtvoll in grün, weiß und gold. Und wenn Putin seinen 40 Kollegen der G8-, EU- und GUS-Staaten sowie Indiens und Chinas die Hände schüttelt, tut er dies im Konstantin-Palast: Das Dornröschen-Schloss im Petersburger Vorort Strelna war noch vor zwei Jahren eine zugewucherte Ruine, von deren Existenz selbst viele Einheimische nichts ahnten. Für 330 Millionen Dollar wurde daraus eine glitzernde Luxus -Residenz.
Damit nichts die feierliche Stimmung trübt, zäunten Bauarbeiter die zehn Kilometer lange Straße von Petersburg nach Strelna mit zwei Meter hohen Wänden ein - das Brachland und die Müllkippen dahinter sind weniger sehenswert.
Ganz besonderer Glanzpunkt ist am Samstag die offizielle Übergabe des "Achten Weltwunders" an die Öffentlichkeit durch Putin und seinen Duz-Freund, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): die für rund elf Millionen Euro in 20 Jahren gefertigte Rekonstruktion des legendären, im Zweiten Weltkrieg verschollenen Bernsteinzimmers im Katharinenpalast.
Aber nicht alles ist glanzvoll in St. Petersburg. Vieles ist Stückwerk geblieben. Von den insgesamt 21 Prachtbauten und Monumenten, deren Renovierung Putin angeordnet hatte, wurden 18 nicht rechtzeitig fertig. Die Peter-Paul-Festung etwa ist von Baugerüsten umgeben, auf denen in diesen Tagen noch zahlreiche Handwerker im Blaumann herumklettern; zahlreiche Eingänge und angrenzende Bauten des Prachtbaus bedürfen noch jahrelanger, geduldiger Kleinarbeit. "Natürlich wird die Festung den Geburtstag nicht in Baugerüsten feiern", sagt Festungs-Direktor Boris Arakschejew. "Aber danach müssen die Renovierungsarbeiten weitergehen."
Auch der berühmte Newskij Prospekt, die teure Geschäftsstraße von Petersburg, hat einiges zu verbergen. Um zu vertuschen, dass die Bauarbeiten dort nicht so schnell wie gewünscht vorangekommen sind, verhängen riesige Werbeplakate für Ketchup und Nokia die verfallenen Fassaden der dereinst prächtigen Adelspaläste. "Wir geben uns alle Mühe, aber man kann nicht eine Stadt in so kurzer Zeit wieder herstellen, die so lange Zeit vernachlässigt wurde", entschuldigt sich ein Sprecher der Stadtverwaltung.
Aber es war nicht nur der Zeitmangel. Da öffentliche Gelder in Millionenhöhe flossen, witterte der russische Rechnungshof Korruption: Mindestens 32 Millionen Dollar, eigentlich für den Straßenbau vorgesehen, seien "schlecht verwendet" worden, heißt es in einem im Mai veröffentlichten Bericht. Von Unterschlagung reden die Prüfer noch nicht, aber das soll noch überprüft werden - nach den Feiern.