Bisher war es ruhig in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo. Am Freitagmorgen aber reißen zwei wuchtige Explosionen die Bewohner aus dem Schlaf. Es waren Bombenanschläge, 30 Menschen sterben, berichten Ärzte später. Rund 200 werden verletzt.

„Wir haben den lauten Knall von zwei aufeinanderfolgenden Explosionen gehört“, sagt Mohammed, ein Bewohner Aleppos, per Telefon – direkt vor Ort sind Auskünfte für Reporter unmöglich. „Dann haben wir mehrere Krankenwagen gesehen, die Opfer in Kliniken in der Nachbarschaft brachten“, fügt Mohammed hinzu. „Zum Glück ist heute Freitag, ein wöchentlicher Feiertag in Syrien.“

Überlebenden-Suche live im TV

Fernsehbilder zeigen live, wie Helfer zwischen blutüberströmten Leichen und abgerissenen Gliedmaßen verzweifelt nach Überlebenden suchen. Den Berichten zufolge haben zwei Selbstmordattentäter die Anschläge mit Autos verübt. Ein Augenzeuge berichtet, sie sollen einer Militäreinrichtung und einem Zentrum der Sicherheitskräfte im Hochsicherheitsbereich der Stadt gegolten haben.

„Ich habe gesehen, wie Menschen nach den Explosionen in Nachthemden aus dem Nachbargebäude liefen. Sie haben geschrien“, berichtet Rami, ein Syrer, der nur wenige Häuserblocks vom Ort des Schreckens entfernt lebt. Viele Leute seien von herumfliegenden Scherben verletzt worden.

Kameras filmen einen Reporter des staatlichen Fernsehens, der wohl Leichenteile in den Händen hält, während er die Toten zählt. „Schaut, was diese Terroristen den unschuldigen Menschen in Syrien antun“, sagt er unter Tränen. „Auch Kinder wurden getötet“, fügt der Reporter später hinzu und hält wie zum Beweis ein Skateboard ins Bild.

Das Staatsfernsehen nennt „bewaffnete Terrorgruppen“ als Urheber der Bombenanschläge. Die Opposition beschuldigt dagegen die syrische Regierung, die Anschläge eingefädelt zu haben, um dem Ruf der Rebellen zu schaden.

„Rund um die Uhr bewacht“

„Das ist eine Sicherheitszone und jedes Auto, das hineinfährt, wird untersucht“, sagt der Oppositionelle Abu Firas am Telefon und verweist auf die Checkpoints entlang der Straße. „Niemand kann sich in den Bereich hereinschleichen. Er wird rund um die Uhr von Kameras überwacht“, sagt Nadschi Tayyar vom oppositionellen Syrischen Nationalrat in Dubai. „Das ist ein weiterer Anschlag gelenkt vom brutalen Regime von Präsident Baschar al-Assad.“