Von Benjamin Lassiwe

Als Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke am 9. November 1989 zum ersten Mal nach Berlin (West) kam, war er überrascht: An der Bornholmer Brücke im Stadtteil Wedding war alles dunkel. „So habe ich mir das nicht vorgestellt“, sagt Woidke heute. „Das war nicht das, was man von Westberlin erwartet hatte, aber wahrscheinlich waren wir an der falschen Stelle.“ Denn auf der westlichen Seite der Bornholmer Brücke befinden sich  bis  heute  vor allem Gartenkolonien.

Geschichten wie diese sind es, die in den nächsten Wochen wieder verstärkt erzählt werden. Denn der 9. November 2019, der 30. Jahrestag des Mauerfalls, steht vor der Tür. Und wohl jeder im Land kann sich noch sehr genau erinnern, wo er an jenem Abend war. „Die friedliche Revolution hat das Leben vieler Menschen in Ostdeutschland verändert“, sagt Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD). „Die Menschen in der DDR haben die SED-Diktatur überwunden, mit friedlichen Mitteln, mit Dialog, Verständigung und unendlicher Geduld.“ Auch wenn „nicht alle Träume von einem menschenfreundlichen Land Wirklichkeit geworden sind“, sei gerade die kritische Reflexion über diese Erwartungen „ein machtvolles Potential für die Entwicklung von Zukunftsfähigkeiten für unsere Demokratie.“

Das Land Brandenburg, die Landeshauptstadt Potsdam und der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf wollen das Jubiläum des Mauerfalls deswegen groß feiern. Am 10. November soll es mehrere Festveranstaltungen geben – eine festliche Matinee im direkt am ehemaligen Grenzverlauf gelegenen Berliner Schloss Glienicke, eine Gedenkveranstaltung an der Bronzeskulptur „Nike 89“, bei der der Mauertoten gedacht werden soll, einen ökumenischen Gottesdienst in der St. Nikolaikirche und ein Festakt des Landtags und der Landesregierung. Auf der Glienicker Brücke, die am 9. und 10. November festlich beleuchtet sein wird, sollen sich Bürger aus Ost und West begegnen können. Und auch ein gemeinsames Singen der Europa-Hymne aus Beethovens „Ode an die Freude“ ist geplant – damit es bei möglichst vielen Menschen am Ende einen Gänsehautmoment gibt. „Unsere Aufgabe ist es heute, den jungen Menschen zu erzählen, wie es damals gewesen ist“, sagt die Bezirksbürgermeisterin des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf, Cerstin-Ullrike Richter-Kotowski (CDU). Denn die Menschen würden die Freiheit als gegeben hinnehmen. „Unsere Aufgabe ist heute, das den jungen Menschen zu erzählen, wie es gewesen ist. „Wir müssen ihnen sagen, dass man um diese Freiheit kämpfen muss.“

Doch auch wenn sich die offiziellen Feierlichkeiten in Brandenburg am 10. November in Potsdam konzentrieren, wird an vielen Orten im Land des Mauerfalls gedacht werden. In der Prignitz soll es auf der Elbfähre in Lütckenwisch eine große Feier des Kirchenkreises, des Landkreises und der Gemeinde Lanz geben, zu der auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister erwartet wird. Und in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf gibt es schon am 9. November ein großes Bürgerfest, das zusammen mit dem Berliner Bezirk Teltow-Zehlendorf gefeiert wird. „Wir werden versuchen, als Landesregierung dabei eine starke Präsenz zu zeigen“, versprach Woidke am Montag auf Nachfrage. Denn das Mauerfallgedenken soll eben nicht nur eine Angelegenheit der Potsdamer sein.