Nach seinen Gesprächen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch schrieb Schell einen Brief an Verkehrspolitiker, wie die "Bild am Sonntag" berichtet. "Herr Mehdorn machte dabei unmissverständlich klar, dass er der GDL keinen eigenständigen Tarifvertrag zuerkennen will. Unter dieser Voraussetzung ist damit für uns die Grundlage für Tarifverhandlungen entzogen", erklärte der GDL-Chef. Schell habe die Politiker um einen "Beitrag zur Verhinderung einer erneuten Eskalation des Tarifkonfliktes" gebeten.
Das Angebot: Die Bahn bietet offenbar zwischen acht und 13 Prozent mehr Lohn. Die GDL soll allerdings keinen eigenständigen Tarifvertrag erhalten. Dies ist die Kernforderung der Gewerkschaft. Da diese das Angebot bislang aber nicht abgelehnt hat, dürfte es besser sein als das vorherige. Darin hatte die Bahn der GDL zum einen die gleichen Verbesserungen wie den beiden anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA geboten: 4,5 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 600 Euro. Daneben bot sie an, Mehrarbeit künftig zu bezahlen - wenn die Lokführer die längere Arbeitszeit vertraglich festschrieben.
Die Gremien: Die Entscheidung über das neue Angebot der Bahn fällen der Hauptvorstand und die Tarifkommission der GDL. Der 18-köpfige Hauptvorstand besteht aus dem geschäftsführenden Vorstand, das sind GDL-Chef Manfred Schell sowie seine beiden Stellvertreter Claus Weselsky und Günter Kinscher. Daneben gehören dem Hauptvorstand die Vorstände der sieben GDL-Bezirke sowie deren sieben Stellvertreter an, außerdem der Bundesjugendleiter der Gewerkschaft. In die neunköpfige Tarifkommission entsendet jeder Bezirk ein Mitglied, die beiden GDL-Bezirke Nord und Südwest zwei. Dabei handelt es sich um aktive Lokführer.
Das Verfahren: Die 27 Mitglieder von Hauptvorstand und Tarifkommission stimmen über das Angebot der Bahn ab. Entschieden wird mit der einfachen Mehrheit der Stimmen. Danach verkündet GDL-Chef Schell in Berlin das Ergebnis der Öffentlichkeit. Lehnen die Lokführer das Angebot ab, könnte die GDL noch heute neue Streiks ankündigen. Sind die Gremien für das Bahn-Angebot, würden auf dessen Grundlage neue Verhandlungen aufgenommen. Für die Zeit der Verhandlungen wären Streiks verboten.
(AFP/ddp/kr)