| 02:40 Uhr

25 Jahre "Städtebaulicher Denkmalschutz" in Brandenburg – eine Bilanz

FOTO: LR
Potsdam. Brandenburgs Städte mit historischen Stadtkernen sind heute wieder das, was sie verdienen: Schatztruhen der Geschichte und baulicher Handwerkskunst. 754 Millionen Euro sind nach Ministeriumsangaben aus dem Bund-Länderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" seit 1991 auch für diese Städte bewilligt worden. Frank Claus

Ein Blick zurück in teils Jahrhunderte alte Innenstädte in Brandenburg. Die Zeit der Wende. Zumeist graue Fassaden, vielfach verfallene Gebäudesubstanz, enorme Rückstände in der Infrastruktur.

"Es war 1991", erinnert sich Harry Müller, einstiger Bürgermeister aus Luckau. Gemeinsam mit dem Städtebauministerium und Experten aus dem damaligen Brandenburger Partnerland Nordrhein-Westfalen sollte ein Instrument gefunden werden, historische Stadtkerne vor dem Verfall zu retten, die geschichtlich gewachsenen Stadtstrukturen zu erhalten und die Innenstädte für ihre Bewohner wieder lebenswert und für Touristen anziehend zu machen. Doch wo anfangen? Eine Kommission, zumeist Pensionäre mit Städtebauerfahrung aus dem Ruhrpott, war gebildet worden und bereiste mit einheimischen Kommunalpolitikern 48 Städte im ganzen Land, um in einem ersten Schritt 20, bei denen längst "allerhöchste Eisenbahn" war, herauszufiltern. "Die alten Knaben waren geradezu begeistert vom nationalen Kulturgut", berichtet Harry Müller. Nur wenige Monate später steht sie - die Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen. Gründungsdatum: 22. Mai 1992. Der Luckauer Bürgermeister wird ihr erster Vorsitzender.

Und heute? "Die Arbeitsgemeinschaft kann mit Stolz auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicken. Unzählige historische Gebäude wurden restauriert und prägen heute die lebendigen Zentren der Städte", sagt Städtebauministerin Kathrin Schneider (SPD) gestern anlässlich der Jahrespressekonferenz im Potsdamer Nikolaisaal. Damit sei es gelungen, wertvolle Baukultur zu erhalten und die Lebensqualität in den Innenstädten deutlich zu verbessern.

Eine Einschätzung, die Michael Knape, der jetzige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft und Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen, sofort unterschreibt. "Was die Sanierung von Objekten betrifft, sind wir auf der Zielgeraden angekommen", sagt er. Dennoch dürfe das nicht dazu führen, die Mittel nun zu reduzieren. "Gemeinsam mit dem Bund und den Ländern benötigen wir eine mittelfristige Erhaltungsstrategie, damit wir in 20 Jahren nicht wieder da anfangen müssen, wo wir vor 20 Jahren begonnen haben."

Zum Glück seien Überlegungen, das Denkmalschutz-Programm zurückzufahren, inzwischen vom Tisch. Im Gegenteil: Brandenburger Erfahrungen bei der Erhaltung historischer Stadtkerne würden nun als Ost-West-Hilfe zuerst nach Hessen übertragen. Die Arbeitsgemeinschaft habe aber auch in Brandenburg noch dicke Bretter zu bohren, müsse dafür sorgen, dass sanierte historische Innenstädte nicht als "Puppenstuben" wahrgenommen würden. "Wir brauchen Leben in der Bude", sagt der Vorsitzende und legt den Finger in die Wunde: Vor allem kleine Innenstädte hätten mit dem Strukturwandel in der Einzelhandelslandschaft zu kämpfen. Leere Schaufenster seien eben keine guten Aushängeschilder. Lebendige Innenstädte würden Handwerk und Gewerbe benötigen, Kulturangebote, aber auch Kitas, Arztpraxen und Dienstleistungsvielfalt.

Ministerin Kathrin Schneider berichtet, dass das Land mit Unterstützung des Bundes Mittel für die Städte von jetzt 80 Millionen Euro auf 95 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre aufstocken werde. Davon würden auch die historischen Stadtkerne profitieren.

"Unser Ziel ist, die Städte in ihrer Funktion als Anker für die umliegenden Orte zu stärken. Diesen Prozess werden wir auch zukünftig tatkräftig unterstützen", sagt die Bauministerin.

Ihren Angaben zufolge sind von 1991 bis zum 31. Dezember des vergangenen Jahres im Land Brandenburg insgesamt 754 Millionen Euro aus dem Bund-Länderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" für Sanierungsprojekte bewilligt worden. Im gleichen Zeitraum seien aus allen Programmen der Städtebauförderung 3,37 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden. Weitere 300 Millionen Euro stammen demnach aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. In den Genuss der Förderung seien Projekte in allen Städten Brandenburgs gekommen.

Dass sich die Arbeitsgemeinschaft längst auch als touristischer Motor verstehe, würden die zahlreichen, 2017 geplanten Veranstaltungen im Reformations- und Kulturlandjahr belegen.

Zum Thema:
Der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen in Brandenburg, die vor 25 Jahren mit 20 Städten gegründet wurde, gehören 31 Städte des Landes Brandenburg an. Aus dem RUNDSCHAU-Verbreitungsgebiet gehörten Luckau, Dahme/Mark, Mühlberg/Elbe und Herzberg im Jahr 1992 zu den Gründungsmitgliedern. Peitz wurde 1994 Mitgliedsstadt. Die Stadt Uebigau (heute Uebigau-Wahrenbrück) wurde 1995 aufgenommen. Jüngste Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind seit 2007 Doberlug-Kirchhain und Lübbenau/Spreewald.