Am 3. Oktober ist es wieder soweit. Dann geht es einmal mehr um die Datschen. Denn an diesem Tag läuft der Kündigungsschutz für die Pächter von Grundstücken samt Datsche in Ostdeutschland aus, die Nutzungsverträge schon vor der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 abgeschlossen haben. Es sei denn, sie hatten am Tag der Einheit vor 25 Jahren bereits das 60. Lebensjahr vollendet.

So jedenfalls sieht es das "Schuldrechtsanpassungsgesetz" für diese Pachtverträge vor. Es ist eine jener stets heftig diskutierten Regelungen zu Vermögensfragen, die nachgeschoben werden mussten, weil der damals im Eiltempo ausgehandelte Einigungsvertrag nicht jedes Detail zur Vereinigung von DDR und Bundesrepublik klären konnte.

Was wiederum dazu führt, dass auch heute - 25 Jahre nach Unterzeichnung des in weniger als acht Wochen fertiggestellten Vertragswerks - immer noch heftig gestritten wird: über Ost-Datschen, Wasseranschlüsse, DDR-Diplome, Renten, "in der DDR geschiedene Frauen", Regierungs-Doppelsitze, Vereine - und, und, und. Erst im April 2013 hatten sich Bund und Ost-Länder abschließend über die Verteilung des verbliebenen DDR-Staatsvermögens verständigt.

Über Sinn und Unsinn der schnellen Wiedervereinigung 1990 wird regelmäßig debattiert. Der Beitritt der "neuen Länder" zur Bundesrepublik nach Artikel 23 des Grundgesetzes hat sich bekanntlich durchgesetzt. Die Alternative nach Artikel 146, also die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und spätere Vereinigung, wurde rasch verworfen.

Vielleicht sei es eher eine Frage der Veränderungsbereitschaft im Westen gewesen, meinte vor fünf Jahren Innenminister Thomas de Maizière (CDU): "Deutschland hätte von der DDR vielleicht nicht den Hymnen-Text, aber ruhig ein bisschen mehr übernehmen können als nur den grünen Pfeil und das Ampelmännchen." Wenigstens gab es noch die Empfehlung, das gelbe DDR-Fünfeckschild mit Waldohreule gesamtdeutsch als Naturschutzgebiet-Schild zu nutzen.

Die Chance für echte Erneuerungen in ganz Deutschland wurde aber verpasst. Rückblickend wäre es sicher besser gewesen, nicht auf einen Schlag das gesamte westdeutsche Rechtssystem auf Ostdeutschland zu übertragen, räumte selbst de Maizière einmal ein.

Immerhin: Als die Unterhändler Wolfgang Schäuble und Günther Krause (beide CDU) am 31. August 1990 jenen "Vertrag über die Herstellung der deutschen Einheit" in Berlin unterzeichneten, galt ein fein austariertes Ost-West-Verhältnis: Die Füllfederhalter der Marke "Markant" kamen aus der DDR, das Papier aus Bonn; angestoßen wurde mit West-Sekt in Ost-Kristallgläsern - so heißt es jedenfalls.

Schäuble meinte zur 25-Jahres-Bilanz, Wiedervereinigung und Einheit seien doch insgesamt recht gut gelungen. Krause gelangte mit dem Abstand von 20 Jahren schon 2010 zu dem Schluss: "So vieles gibt es nicht, was man hätte anders machen sollen oder können."

Zum Thema:
Der "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands" regelt in 45 Artikeln und rund 900 Seiten die mit dem Beitritt verbundenen Fragen. Die Verhandlungen hatten am 6. Juli 1990 begonnen, dauerten also acht Wochen. Aus den 14 DDR-Bezirken wurden die fünf neuen Bundesländer, aus den 23 Bezirken von Berlin entstand das Land Berlin.