Doch für Mai-Kundgebungen sind die Dresdner kaum zu begeistern,aber wenn die Glocken der Frauenkirche durch die Straßen derStadt gefahren werden, dann kommen sie geströmt.
Eigentlich waren die Glocken schon am Tag zuvor mit einemTieflader von Bad Friedrichshall über Karlsruhe kommend inDresden eingetroffen. Einen Tag hatten Jesaja, Johannes, Jeremia,Josua, David, Phillippus und Hanna, wie die Namen der einzelnenGlocken lauten, vor der Frauenkirche gestanden und in derFrühlingssonne geglänzt. Jetzt aber wurde deren Empfang erstrichtig in Szene gesetzt. Dazu wurden die Glocken noch einmal aufdas andere Elbufer kutschiert und von dort wieder zurück, nun ineiner Prozession, vorbei an Menschen, die jetzt die Straßensäumten.
Ein Posaunenchor auf dem Wagen dröhnte Choräle, Kurrende-Kinderbegleiteten den Umzug, kleine Nachbildungen derFrauenkirchen-Glocken mit den Händen bimmelnd. Die Glöckchenmussten die Kleinen allerdings nach der Prozession wiederabgeben, denn die sollen verkauft werden, für dreizehn Euro dasStück. Der Frauenkirchen-Aufbau braucht Geld, die 17 MillionenEuro, die in diesem Jahr verbaut werden sollen, sind noch nichtgedeckt.
Bei der Fahrt über die Augustusbrücke legt der Umzug einZwischenstopp ein. Die Kurrende-Kinder singen ein Lied, dieMenschen drängeln, Fotoapparate klicken, die Glocken derKathedrale beginne zu läuten. "Die Glocken der anderen DresdnerKirchen begrüßen ihre neuen Schwestern", heißt es. Der Zug bewegtsich über die Wilsdruffer Straße, die ihre Breite dem Umstandverdankt, dass dort zu DDR-Zeit Massenaufmärsche stattfindensollten.
Ganze vier Tage sollen die Dresdner Frauenkirchen-Glockengefeiert werden. Am Sonntag ist die Weihe durch LandesbischofVolker Kress vorgesehen, dann wird das Geläut in die Türme derFrauenkirche gehievt. Zu Pfingsten sollen sie die Feiertageeinläuten.