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23-Jähriger nach Anschlag in Manchester festgenommen

Helfer bemühen sich im Foyer der Manchester Arena in Manchester (Großbritannien) am 22.05.2017 um Verletzte. Bei dem Anschlag auf das Konzert der Sängerin Grande in der Halle sind laut Polizeiangaben mindestens 22 Menschen getötet worden.
Helfer bemühen sich im Foyer der Manchester Arena in Manchester (Großbritannien) am 22.05.2017 um Verletzte. Bei dem Anschlag auf das Konzert der Sängerin Grande in der Halle sind laut Polizeiangaben mindestens 22 Menschen getötet worden. FOTO: dpa
Update Manchester. Der Applaus ist gerade verklungen, da explodiert die Bombe. Tausende Fans des Popstars Ariana Grande rennen um ihr Leben. Es ist das blutigste Attentat in Großbritannien seit über zehn Jahren. dpa/bob

Terror gegen Teenager: Bei einem Bombenanschlag auf ein Popkonzert in Manchester sind mindestens 22 Menschen getötet worden. Es gab knapp 60 Verletzte, darunter viele Kinder und Jugendliche. Die britische Regierungschefin Theresa May brandmarkte die Tat als besonders "abstoßend und abscheulich", da wehrlose Kinder und Jugendliche das Ziel gewesen sein. "Es gibt jetzt keinen Zweifel daran, dass die Bevölkerung Manchesters und dieses Landes Opfer eines eiskalten terroristischen Angriffs geworden ist", sagte May am Dienstag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London. Ob die Tat einen islamistischen Hintergrund hat, war zunächst unklar.

Im Zusammenhang mit dem Terroranschlag ist ein 23 Jahre alter Mann festgenommen worden. Das teilte die Polizei der nordenglischen Stadt am Dienstag mit. Eine weitere Festnahme im Einkaufszentrum Arndale habe mutmaßlich nichts mit dem Anschlag vom Montagabend zu tun, schrieben die Ermittler auf Twitter.

Nach Angaben der Polizei hatte ein Mann am Montagabend am Ende eines Popkonzerts von Teenie-Star Ariana Grande eine selbstgebaute Bombe zur Explosion gebracht. Der Attentäter hatte seinen Sprengsatz neben dem Ausgang gezündet, sagte May. "Er hat Zeit und Ort absichtlich so gewählt, um das größtmögliche Blutbad anzurichten." Viele der 59 Verletzten in Manchester seien schwer verletzt und teils noch in Lebensgefahr, darunter Kinder und Jugendliche. Queen Elisabeth II. erklärte, die ganze Nation stehe unter Schock.

Die Polizei geht bei dem Angriff von einem Einzeltäter aus. "Am wichtigsten ist es, jetzt herauszufinden, ob er alleine handelte oder als Teil eines Netzwerks", sagte Ermittler Ian Hopkins in Manchester. May sagte, die Polizei kenne wahrscheinlich die Identität des Täters, wolle aber noch keine Details nennen. Sie kündigte eine weitere Sitzung des Sicherheitskabinetts für den Nachmittag an.

May wird bald nach Manchester reisen. Der Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 8. Juni ist unterbrochen. Es ist dies der schwerste Terroranschlag in Großbritannien seit 2005. Damals zündeten vier Muslime mit britischem Pass in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

Die Explosion hatte sich am späten Montagabend im Foyer der Manchester Arena ereignet, einer Konzerthalle, die bis zu 21 000 Besuchern Platz bietet. Zeugen berichteten von einem Knall im Eingangsbereich zwischen Halle und Victoria-Bahnhof nach dem letzten Lied Grandes gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr MESZ).

Laut Augenzeugen spielten sich dramatische Szenen ab. „Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen“, berichtete ein 17-Jähriger dem Nachrichtensender Sky News. Andere Zeugen berichteten von Menschen, die blutüberströmt auf dem Boden lagen. "Ich sah ein kleines Mädchen (...) sie hatte keine Beine mehr", sagte ein Zeuge dem Sender. Metallteile und Splitter lagen den Berichten zufolge am Boden. Auf Bildern waren Konzertbesucher mit Beinverletzungen zu sehen.

Auch Stunden nach dem Anschlag suchten Angehörige noch nach vermissten Konzertbesuchern. So meldete sich die verzweifelte Familie einer Achtjährigen, von der bislang jede Spur fehle. Ihre Mutter und Schwester seien verletzt im Krankenhaus.

Popstar Grande war angesichts der Ereignisse "am Boden zerstört". "Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte", schrieb die 23-Jährige auf Twitter. In Manchester boten Anwohner den Betroffenen Unterschlupf an; bei Twitter gab es dafür den Hashtag #roominmanchester. Im Etihad-Stadion, dem Heimstadion von Manchester City, wurde ein Notfallzentrum eingerichtet. Die Polizei bat Hilfesuchende, sich dorthin zu begeben.

Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria war gesperrt, Hunderte Polizisten waren im Einsatz. Bewohner wurden aufgefordert, das Stadtzentrum weiterhin zu meiden. Auch in der Hauptstadt London wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group meldete, dass sich bislang niemand zu dem Terroranschlag bekannte. Allerdings wurde der Vorfall in sozialen Netzwerken von Anhängern der Terrorgruppe Islamischer Staat gefeiert.

Der Anschlag löste weltweit Betroffenheit aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich entsetzt. "Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen". "Entsetzliche Nachrichten aus #Manchester!", schrieb auch Außenminister Sigmar Gabriel auf Twitter.

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. "So viele junge Menschen sind von bösartigen Verlierern ermordet worden", sagte Trump bei seinem Besuch in Bethlehem. "Ich werde sie nicht "Monster" nennen, denn das würden sie mögen, diesen Namen würden sie mögen. Ich werde sie von jetzt an "Verlierer" nennen, denn das ist es, was sie sind." Nach Angabe des Weißen Hauses telefonierte Trump mit May, um ihr sein Beileid auszusprechen.