Die sorbische Sprache muss aus Sicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) stärker bewahrt und fortentwickelt werden. „Es gibt akuten Handlungsbedarf, das Sorbische in Schulen und beruflicher Bildung stärker zu fördern. Diese Sprache wird bei uns immer weiter zurückgedrängt, nur noch wenige Tausend Menschen sprechen im Alltag aktiv sorbisch", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Anlass ist der Internationale Tag der Muttersprache an diesem Donnerstag.

„Für ein reiches Land wie Deutschland ist es besonders blamabel, dem Niedergang der kulturellen Vielfalt so wenig entgegenzusetzen." Es sei bitter, wenn sich im Fall des Sorbischen ein Industrieland als „unfähig“ erweise, die Vielfalt seiner Sprachen zu schützen, kritisierte Delius. Dringend müsse im Bildungssystem mehr getan werden, um die Kompetenz und Zahl von Sorbisch-Lehrkräften zu verstärken und das Sprachniveau zu fördern. Auch in der dualen Berufsausbildung müsse das Sorbische stärker verankert werden.

Eine im Dezember 2018 veröffentlichte Studie der Universität Leipzig habe dem Sorbisch-Unterricht in Brandenburg schlechte Noten erteilt, hieß es. Lehrkräfte seien oft ungenügend ausgebildet, Lehrmaterialien veraltet, viele Unterrichtsstunden würden ausfallen.

Nach Angaben der Menschenrechtler leben etwa 60 000 Sorben in Deutschland – rund 40 000 von ihnen in Sachsen und 20 000 in Brandenburg. Die GfbV zitiert den sorbischen Dachverband Domowina, wonach lediglich rund 17 000 Menschen in Sachsen und etwa 5000 in Brandenburg ihre Sprache im Alltag aktiv verwenden.

Sorben gehören neben Dänen, Friesen sowie Sinti und Roma zu den vier in Deutschland anerkannten Minderheiten mit Sonderrechten.