Erste Ergebnisse lägen bereits vor, räumte der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, Lutz Krüger, am Donnerstag ein. Sie deuten "auch in unserem Hause auf belastete Weine" hin.

Damit hat das Problem der Gift-rückstände im Wein den größten Erzeuger im sächsischen Weinbaugebiet erreicht. Der Fund, so Krüger, stellte sich ein im Zuge von "betriebsinternem Qualitätsmanagement". Die Genossenschaft hat vorsorglich ihre gesamte 2015er-Produktion analysiert. Mehr noch, alle "derzeit noch verfügbaren Sorten" nehme man sich vor. "Wir arbeiten eng mit der Lebensmittelüberwachung des Landkreises zusammen, warten nicht erst staatliche Anweisungen ab, sondern gehen auf eigene Initiative diesen sehr kosten- und zeitintensiven Weg", so Krüger.

Imageverlust entgegenwirken

Es ist der Versuch, dem Imageschaden für das gesamte Weinbaugebiet entgegenzuwirken. Ende Januar wurde bekannt, dass das Landratsamt Meißen Tausende Liter Wein aus dem Verkehr gezogen hat. Die Sperrung betraf ausgerechnet die Edel-Sorte Goldriesling. In Proben dieses Weins war die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen bereits im September fündig geworden. In einer Zufallsstichprobe fanden die Lebensmittelprüfer Rückstände eines Pflanzenschutzmittels in Goldriesling-Trauben. Das Insektengift mit dem Wirkstoff Dimethoat ist im Weinbau verboten - nicht jedoch im Obst- und Gemüseanbau.

Die Spur führte in eine der renommierten Kellereien in Diesbar-Seußlitz bei Meißen. Schnell war die Rede von einer Panne, für die der betroffene Betrieb nichts könne. Dort hieß es, das Mittel sei nicht auf den Weinstöcken eingesetzt worden, sondern auf Obstbüschen an den Rändern der Weinberge. "Eine Gefährdung der Verbraucher bestand also zu keinem Zeitpunkt, der Wein war und ist nie in den Handel gelangt", sagt Christoph Reiner, Chef des sächsischen Weinbauernverbands. Noch vor der Abfüllung in Flaschen wurde die Traubencharge komplett gesperrt.

Ursachensuche im Labor

Das könnte nun auch der Winzergenossenschaft bevorstehen. Geschäftsführer Krüger kündigt an, man werde den 2015er-Jahrgang noch nicht in Flaschen füllen. Der Wein bleibe in den Tanks, "bis zweifelsfrei durch Untersuchung in einem akkreditierten Labor geklärt ist, ob eine Belastung mit nicht für den Wein zugelassenen Pflanzenschutzmitteln besteht".

Wie die Rückstände in den Genossenschafts-Wein kommen, weiß Krüger noch nicht. Er sei "außerordentlich daran interessiert, schnellstmöglich herauszubekommen, wer und auch in welcher Menge das Mittel an welchem Ort angewendet hat". Aktuell arbeiten 1500 Winzer unter dem Dach der Genossenschaft. Viele davon sind kleine Betriebe, die im Nebenerwerb ihre Weinberge hegen. Pflanzenschutz ist unter Kleinerzeugern ein Thema, das immer wieder der Auffrischung bedarf. Krüger berichtet von "zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen" gerade erst im letzten Jahr. Mehr als 500 Genossenschaftsbauern habe man da "intensiv geschult", und das kostenfrei. Dass nun Giftreste gefunden werden, ist auch für Kellermeisterin Nathalie Weich "nicht wirklich nachvollziehbar".