(dpa/lsc)  Betroffen waren von Bombendrohungen am Freitag neben dem Landgericht in Potsdam auch die Landgerichte in Magdeburg, Erfurt, Saarbrücken, Wiesbaden, Hamburg und Kiel. In allen Fällen ist die Drohung nach Angaben der Polizei per E-Mail eingegangen.

Wie die Polizei in Magdeburg informiert, wurde in der Mail mit einem Anschlag auf bundesweiter Ebene gedroht. Der oder die Absender seien anonym, hieß es weiter. Der Unbekannte oder die Unbekannten hatten nach Polizeiangaben am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr in einer E-Mail an das Justizzentrum Potsdam damit gedroht, am Freitag einen Sprengsatz zu zünden. Etwa zeitgleich seien auch die Drohungen in den anderen Städten eingegangen. Die Schreiben seien ersten Erkenntnissen zufolge gleichlautend gewesen.

Die Bombendrohung an das Landgericht in Kiel war laut Angaben eines dortigen Polizeisprechers mit „nationalsozialistische Offensive“ unterzeichnet gewesen. Eine Einschätzung, wie real ein rechtsextremistischer Hintergrund sein könnte, sei dort bisher aber nicht möglich. Auch die Bombendrohung an das Gericht in Hamburg hatte einen gleichlautenden Absender.

Ob die Drohmail auch in Brandenburgs Landeshauptstadt auf diese Weise unterzeichnet wurde, ließ der Potsdamer Polizeisprecher unkommentiert und verwies auf die laufenden Ermittlungen. Die Präsidentin des Potsdamer Landgerichts, Ellen Chwolik-Lanfermann, sagte, dass am Freitag in dem Gebäude keine Prozesse mit Bezug zur Reichsbürger- oder Neonazi-Szene stattfinden sollten.

In Potsdam mussten rund 200 Menschen aus dem Justizzentrum evakuiert werden. 40 Polizisten sperrten das Justizzentrum morgens gegen 7.30 Uhr. Mit fünf Sprengstoffspürhunden durchsuchten die Beamten das Gebäude in der Jägerallee nach eigenen Angaben für vier Stunden, konnten allerdings nichts finden. In Erfurt wurden etwa 30 Bedienstete aus dem Gerichtsgebäude in Sicherheit gebracht. Auch hier kam ein Sprengstoffspürhund zum Einsatz. Dieser schlug bei der nachgehenden Suche nicht an.

Am Magdeburger Landgericht waren von der Evakuierung etwa 40 Menschen betroffen. Nachdem die Suche mit Sprengstoffspürhunden keine Resultate gebracht hatte, konnte ab etwa zwölf Uhr der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden.

Während der Evakuierung wurde die Halberstädter Straße kurzzeitig für den Verkehr gesperrt. Laut einem Gerichtssprecher fielen eine Strafverhandlung und einige Zivilverhandlungen aus. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Ankündigung einer Straftat ein.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat die Bombendrohungen gegen mehrere Landgerichte als Angriff auf die Justiz und das demokratische Gemeinwesen verurteilt. „Die Bombendrohungen an mehreren Landgerichten und den Angriff auf den Bundesgerichtshof in der Silvesternacht in Leipzig verurteile ich scharf“, sagte die SPD-Politikerin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Wer Gerichte bedroht, greift die unabhängige Justiz und unser demokratisches Gemeinwesen an. Diese Straftaten müssen mit allem Nachdruck aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden.“

In Leipzig hatten Unbekannte in der Silvesternacht ein Gebäude des Bundesgerichtshofs (BGH) beschädigt. Nach Angaben des sächsischen Landeskriminalamtes vom vergangenen Montag deutet die Vorgehensweise der Täter auf eine geplante, organisierte Aktion hin.

In den vergangenen Wochen hatten bereits Bombendrohungen an anderen Landgerichten in Schleswig-Holstein die Einsatzkräfte beschäftigt. Bei keinem der Vorfälle wurde etwas Verdächtiges gefunden.