D as Zerstörungswerk war in wenigen Minuten getan: Am 20. April 1945 legten amerikanische Bomber bei Dömitz die Straßen- und die Eisenbahnbrücke über die nördliche Elbe in Schutt und Asche. Der Wehrmacht sollte der Rückzug abgeschnitten werden. Fast 50 Jahre sollten die Menschen beiderseits des deutschen Schicksalsflusses mit den Trümmern leben. Die deutsch-deutsche Grenze verlief durch die Elbe, an einen Wiederaufbau war nicht zu denken. Wozu auch.

Doch dann ging alles schnell. Bald nach der Wende begannen im Frühjahr 1990 Planungen für eine neue Brücke zwischen Mecklenburg und Niedersachsen. Das Vorhaben wurde kurzerhand zum größten deutschen Verkehrsprojekt erklärt. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit eröffnete der damalige Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) vor 20 Jahren - am 18. Dezember 1992 - die erste neu gebaute deutsch-deutsche Brücke. Rund 30 Millionen Euro kostete sie umgerechnet.

Hat der Bau die Erwartungen erfüllt? "Durch die Brücke sind wir wieder mitten in Deutschland, wo wir vorher am Rand waren", sagt heute die Bürgermeisterin des mecklenburgischen Dömitz, Renate Vollbrecht. Täglich rollen mehr als 6000 Fahrzeuge über die Brücke, auf der die Bundesstraße 191 verläuft. Bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr heißt es: "Es gibt stärker frequentierte Bundesstraßen." Die Bürgermeisterin des niedersächsischen Dannenberg, Elke Mundhenk, spricht aber auch so schon von einer hohen Verkehrsbelastung für die Anwohner. Doch wolle niemand den Vorteil missen, dass die kurze Verbindung von nur zwölf Kilometern zwischen ihrer Stadt und Dömitz die Freundschaften sowie den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch deutlich erleichtere.

Hunderte pendeln täglich über die Brücke zur Arbeit, vor allem von Ost nach West. Zuvor mussten die Menschen mehr als 100 Kilometer fahren, um in die jeweils andere Stadt zu gelangen - die nächsten Elbbrücken stehen jeweils 60 Kilometer entfernt in Boizenburg und Wittenberge.

"Ich kenne ganz viele, die seit dem ersten Tag täglich und ganz bewusst über die Brücke fahren", erzählt die Dömitzerin Marina Möller. Sie selber holperte mit ihrem Auto schon vor der Eröffnung, im November 1992, über den noch unfertigen Straßenbelag. Sie musste zurück nach Dömitz, aber ein heftiger Sturm war aufgezogen und die Fähre hatte ihren Betrieb eingestellt - Möller hatte Angst, dass bei der stundenlangen Rückfahrt über Wittenberge oder Boizenburg ein Baum auf das Auto stürzen könnte.

Neben der neuen Straßenbrücke erinnert die zerbombte Eisenbahnbrücke noch immer an den Krieg, der inzwischen fast 70 Jahre her ist. Einen Wiederaufbau dieser Brücke hält in der Region niemand für möglich. Die Nervenbahnen der Eisenbahn verlaufen heute woanders. Immerhin ersteigerte ein Niederländer das kaputte Bauwerk vor zwei Jahren von der Deutschen Bahn. Man kann ein Stück darauf spazieren .