Potsdam. Schätzungsweise 20 000 Brandenburger leiden nach Expertenangaben unter Essstörungen. "Dabei sind von Magersucht oder Bulimie vor allem Mädchen und junge Frauen betroffen", sagte Landessuchtbeauftragte Ines Kluge. Diese hätten sich ein vermeintliches Schönheitsideal zum Vorbild genommen. "Manche schlittern durch eine Diät in diese Krankheiten hinein." Sie können dann einfach nicht mehr mit dem Abnehmen aufhören. Aber auch die entgegengesetzte Form von Essstörung, die Fettleibigkeit, ist laut Kluge immer weiter verbreitet. "Essen ist für sie eine Ersatzbefriedigung oder Mittel zur Beruhigung." Vielfach würden betroffene Kinder dem folgen, was die Eltern vorleben: Wenig Bewegung, lieber vor der Playstation sitzen und sich mit Fast-Food voll stopfen. Ob Fettleibigkeit ein psychosomatisches Phänomen oder eine Sucht ist, da gehen die Meinungen der Experten auseinander. In jedem Fall, so betonte Kluge, sollten Betroffene sowohl bei Fettleibigkeit als auch bei Magersucht oder Bulimie (Ess-Brech-Störung) die Hilfe von Experten suchen. "Meist sind langwierige Therapien von etwa einem Jahr die Folge."Präventiv sind dagegen vor allem die Eltern gefragt, die erste Alarmsignale etwa für Bulimie - Erkrankte haben oft täglich eine Heißhunger-Attacke und glauben durch ein anschließendes Erbrechen, die angestrebte Idealfigur halten zu können - ernst nehmen müssten. "Wenn also Kinder plötzlich viel länger im Badezimmer verschwinden und mit lauter Musik die Brechgeräusche übertünchen", meinte Kluge. Wenn junge Mädchen nach Ausflüchten suchen, um nichts zu essen, dann könnte dahinter Magersucht stecken. "Das Wichtigste ist aber, dass Eltern ihren Kindern von klein auf klar und deutlich vermitteln, dass sie schön sind, wie sie sind", betonte Kluge. Sie wies zugleich darauf hin, dass Essstörungen völlig unabhängig von Stadt oder Land, Bildungsstand oder sozialer Herkunft auftreten können. dpa/mb