Immerhin dürften inzwischen alle Schäden an Grundstücken, Häusern und Gärten erfasst sein. Denn Ende Juni lief die Antragsfrist für die Wiederaufbauhilfe aus. Wo der Wiederaufbau steht, erklärte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) gestern im Dresdner Kabinett.

Mit rund 14 000 einzelnen Schadensfällen befasste sich Schmidts Haus seit dem Hochwasser. Mehr als 12 000 Geschädigte bekamen Hilfe aus dem Wiederaufbaufonds bewilligt - insgesamt in Höhe von eineinhalb Milliarden Euro. Letztlich ausgezahlt wurde bis jetzt ein Drittel davon, die allermeisten Fälle dauern noch an. Indes, dass die Bewilligungen nun alle raus sind, sieht Schmidt als einen "wesentlichen Meilenstein bei der Schadensbeseitigung".

Die sieht der Minister im Ganzen "auf einem guten Weg". Mehr als 5000 Einzelschäden wurden bis jetzt abgeschlossen und die Verwendungsnachweise geprüft. Denn erst wenn alle Rechnungen vorgelegt sind, fließt auch Geld. Mit diesem Prinzip sollten eventuelle unschöne Rückforderungen, wie es sie nach dem Hochwasser 2002 gab, vermieden werden.

Auch bei der staatlichen Infrastruktur geht es laut Schmidt gut voran. Von den rund 500 Millionen Euro Schaden, die das Hochwasser dort verursachte, ist aktuell ein Drittel beseitigt. Fast 300 Kommunen waren damals mehr oder weniger von der Flut betroffen.

Dreimal so viel Regen wie normal

Das Hochwasser im Mai und Juni 2013 übertraf in Ausdehnung und Gesamtstärke das Augusthochwasser von 2002. Die Schäden in Sachsen summierten sich laut einer Studie des Bundesinnenministeriums auf 1,9 Milliarden Euro, in Brandenburg waren es 92 Millionen. Am stärksten betroffen war Sachsen-Anhalt mit 2,7 Milliarden.

In einem breiten Streifen vom südlichen Schleswig-Holstein bis zum nördlichen Bayern fiel in wenigen Tagen bis zu dreimal so viel Regen wie normal. Das führte zu schweren Hochwassern in Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die Lage an der oberen Elbe verschärfte sich zudem, als der aus Tschechien kommende Hochwasserscheitel Sachsen erreichte.

2,3 Milliarden Euro bekam Sachsen hinterher bei den Verhandlungen mit Bund und Ländern aus dem Aufbauhilfefonds zugewiesen. Die reichen auch, sagt Schmidt gestern in Dresden. Jedenfalls müsse derzeit "niemand Angst haben, mit den Kosten für die Schadensbeseitigung allein gelassen zu werden".

Der Hochwasserschutz indes stellt nach drei Jahren nicht alle zufrieden. Noch immer werde zu wenig getan, damit das Wasser sich ausbreiten kann, kritisierten kürzlich die Grünen im Landtag. Seit 2002 habe der Freistaat nur zehn Millionen Euro für Überschwemmungsflächen ausgegeben, beklagt der Grünen-Abgeordnete Wolfram Günther. Technischer Hochwasserschutz werde immer noch bevorzugt, dabei verschiebt er die Flut nur auf die Unterlieger.

Schutzprojekte umgesetzt

Eines der umgesetzten Projekte ist das neue Verteilerwehr an der Mulde in Döbeln (Kreis Mittelsachsen), das vor wenigen Wochen in Betrieb ging. Es leitet bei Hochwasser einen Teil des Wassers in eine Flutmulde ab. Zwei Jahre wurde an dem 5,5 Millionen Euro teuren Wehr gebaut. Parallel dazu wurde die Flutmulde verbreitert. Die Anlage soll Schutz bieten für eine Flut, wie sie statistisch einmal in 50 Jahren vorkommt.