In der kommenden Woche soll sich der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreises Oder-Spree mit den Hintergründen des Todes eines Jugendlichen aus Hangelsberg befassen. Der Vize-Chef des Ausschusses, Stephan Wende, sagte am Montag dieser Zeitung, dass er die Aufnahme eines entsprechenden Tagespunktes für die Sitzung am 9. Mai beantragt habe. Der Linken-Politiker begründete seine Initiative damit, dass es zum Agieren des Jugendamts offene Fragen gebe, auf die er Antworten von der Kreisverwaltung erwarte. Zu dem Termin sollen auch Jugendhilfe-Vertreter geladen werden, die mit dem Jungen gearbeitet haben.

Hannes galt mit 13 wegen Disziplinproblemen als „unbeschulbar“. Ein Betreuungsangebot in Kirgisien wurde zu einem ungewöhnlichen Ausweg. Dort entwickelte sich der Junge recht gut, stand ein Jahr vor einem Schulabschluss, der in Deutschland anerkannt worden wäre. Nach einem Personalwechsel im Jugendamt wurde das Projekt jedoch gegen den Willen des Jungen und den seiner Mutter abgebrochen. Hannes scheiterte nach seiner Rückkehr erneut am hiesigen Schulsystem, geriet in Kontakt mit Drogen und starb im Herbst 2018.

Was führte zum Abbruch?

Stephan Wende will nun wissen, was zum Meinungsumschwung geführt hat, warum der Junge zurückgeholt wurde. Die Sorge, Hannes könnte seine deutschen Wurzeln verlieren, dürfe kein Grund sein, eine erfolgreiche Maßnahme abzubrechen, sagt Wende. „Wenn der Junge gefestigt ist und eine Perspektive hat, sollte man froh sein und ihn nicht dort herausholen.“ Im Zusammenhang mit dem Fall gelte es zudem, Regularien und Arbeits-Standards des Jugendamts zu überprüfen. So habe das Amt nach Angaben der Kindesmutter eine Entwicklungskonferenz ohne Mutter und Kind durchgeführt. „Sollte das tatsächlich so passiert sein, wäre das fachlich falsch“, sagt Wende.

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Beeskow