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| 02:39 Uhr

17 Dinge, die für die Lausitzer 2017 wichtig werden

FOTO: Helbig
Von Bundestagswahl über Neiße-Wasser für Großräschener See und 70 Jahre Studieren in Senftenberg bis zum Baustart für die Kai-Mauer am Cottbuser Ostsee reichen die Ergebnisse in der Region im neuen Jahr. Die RUNDSCHAU hat "17 Dinge, die 2017 für die Lausitzer wichtig werden" ausgewählt. LR-Reporter in Cottbus, Spree-Neiße, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster, Görlitz und Bautzen

Nach den Turbulenzen der zurückliegenden Jahre von Flüchtlingskrise und Krieg in Syrien über Brexit bis Terror mündet 2017 in eine Wahl, die richtungsweisend wird für Deutschland. Der Bundestag wird voraussichtlich im September neu gewählt. Spannend für die Lausitz: Wird die Dominanz der CDU mit fünf Direktwahlsiegern durchbrochen? 2013 gewannen Michael Stübgen, Michael Kretzschmer, Klaus-Peter Schulze, Jana Schimke und Maria Michalk (sie tritt als Einzige nicht wieder an).

In Brandenburg regiert Rot-Rot und will im Juli ein Zukunftsprojekt auf dem Weg bringen: die Kreisreform ab 2019 mit nur noch einem kreisfreien Potsdam und zehn statt bisher 14 Landkreisen. Für Cottbus mit geschätzter Anker-Funktion im Süden ist Kreisfreiheit nicht mehr vorgesehen. Dahme-Spreewald als Lausitzer Bindeglied nach Berlin ginge verloren. Und von Forst über Cottbus bis Senftenberg und Herzberg wird alles eins. Protest im Land hat die Pläne bisher nicht verändert.

Vom FC Energie Cottbus erwarten die Fans dagegen das Festhalten am Plan Wiederaufstieg in die dritte Liga. Zwar hat die Mannschaft von Trainer Pele Wollitz Tabellenführer Carl Zeiss Jena zurzeit schon auf vier Zähler davonziehen lassen. Der Staffelsieg ist aus eigener Kraft nicht zu schaffen. Doch die Saison ist noch lang. Die Fans sind auf Herzschlag-Finale programmiert. Nach der Devise: selbst keine Punkte verschenken, um mögliche Schützenhilfe auch annehmen zu können.

Darauf konnte das Spreewalddorf Raddusch zwar nicht hoffen, aber Beharrlichkeit hat sich für den Ortsteil von Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) gelohnt. Denn für 2016 noch unterlegen, erhielt der 700-Einwohner-Ort im September den Zuschlag für die Ausrichtung des 14. Brandenburger Dorf- und Erntefestes am 9./10. September 2017. Zu bieten hat Raddusch eine Menge: Internet-Störche, Slawenburg, Hafen, Alpaka-Finca, sanierte Buschmühle. Der Bahnhof, auf dem tagsüber keine Züge halten, ist dagegen das größte Ärgernis.

Freud und Leid dürften für Brandenburgs SPD auch bei jener Wahl am 12. Februar dicht beieinander sein. Denn sie wird auf der Bundesversammlung mit dem Wahl-Brandenburger Frank-Walter Steinmeier ein Zugpferd verlieren. Er hatte 2013 den einzigen Wahlkreis für die Sozialdemokraten im Land direkt gewonnen. Dennoch: Die Freude dürfte überwiegen. Der Außenminister ist gemeinsamer Kandidat von Union und SPD für die Nachfolge von Joachim Gauck als Bundespräsident. Weichen werden auch im Lausitzer Kohlerevier gestellt. Was mit dem Verkauf von Vattenfall lange auf Eis gelegen hatte, will die Leag im neuen Jahr zeitnah entscheiden: Werden die Tagebaue Nochten II und Welzow-Süd II in Anspruch genommen? Für mehr als 3800 Einwohner im sächsischen wie brandenburgischen Revier ergibt sich daraus ihre Zukunftsplanung. Werden ihre Orte abgebaggert oder nicht? Tausende Kohlekumpel und Energiearbeiter der Region sehen der Entscheidung ebenso gespannt entgegen.

Im Spreewald herrscht eher Lampenfieber, das der 12. Aquamediale zum Thema "Glaube, Liebe, Hoffnung" vorauseilt. Denn sie hat einen neuen Kurator, von dem erwartet wird, dass er den Standort für zeitgenössische, internationale Kunst im Spreewald weiter etabliert. Die Debatte dazu wird durchaus kontrovers diskutiert. Ein Bonbon des Rahmenprogramms - 2017 neu und einmalig - ist eine Schlössernacht im Wasserschloss Groß Leuthen, das inzwischen in privater Hand und nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Gestartet wird am 3. Juni in Lübben.

Bis dahin will sich die Region auch geeint zeigen bei der Gestaltung des Strukturwandels in der Lausitz. Noch gibt es zu viele Initiativen, die in Sachsen und Brandenburg wenig koordiniert vorgehen. Die Lausitzrunde aus 23 Landräten und Bürgermeistern in der länderübergreifenden Kohleregion hat das Angebot gemacht, als Dach zu fungieren. Ziel soll es sein, schon 2017 mit einer Stimme in Sachen Strukturwandel in Berlin und Brüssel zu sprechen.

Strukturwandel mithilfe gelungener Bergbausanierung - das wird im Lausitzer Seenland immer mehr gegenwärtig. Damit Großräschen seinen "Traum" von der weißen Stadt über dem See bis 2020 verwirklichen kann, strömt ab 2017 zusätzlich Wasser aus der Neiße in den ehemaligen Tagebau Meuro. Längst ist an den Ufern mit IBA-Terrassen, Hafen, Allee der Steine oder See-Hotel alles startklar. Vom Weinberg an den IBA-Terrassen gibt es 2017 sogar den ersten Sekt.

Bis der schiffbare Tunnel zum Sedlitzer See die Schiffspassage von Großräschen Richtung Senftenberg ermöglicht, vergehen sicher noch drei Jahre. Unterdessen wird am Uni-Standort Senftenberg schon 2017 groß gefeiert. "70 Jahre Studieren in Senftenberg" gehört zu den Highlights an der BTU Cottbus-Senftenberg im neuen Jahr. Neben dem Fest am 10. Juni 2017 stehen parallel dazu Alumni-Themen im Mittelpunkt - beispielsweise der Übergang vom Studium in Unternehmen.

Von der BTU Cottbus-Senftenberg ist schon vor Jahren die Warnung an das Land Brandenburg ergangen, nicht auf das zweite Bahngleis zwischen Cottbus und Lübbenau zu verzichten. Vergeblich. Jetzt soll das Nadelöhr geflickt werden, um auf der Strecke zwischen Berlin und Cottbus mit Anschlüssen nach Sachsen mehr Pünktlichkeit zu erreichen. Land und Bahn wollen nun bis Ende 2017 die Planungen vorlegen, um noch Berücksichtigung im Bundesverkehrswegeplan zu finden.

Planungen umsetzen wird das Potsdamer Kulturministerium, indem das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus und das Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) verschmelzen. Die für DDR-Kunst bekannten Museen sollen Landesmuseum für Moderne Kunst werden. Cottbus kann damit nach Experteneinschätzung die größte DDR-Sammlung der Welt präsentieren. Die Cottbuser Sammlung besteht aus etwa 30 000 Werken der Malerei, Fotografie, Plakatkunst und Zeichnung. In der Oderstadt sind 11 000 Werke untergebracht.

Um Kunst im Freien geht es am 27. Mai im Pückler-Park des sächsischen Bad Muskau. Das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Ensemble diesseits und jenseits der Lausitzer Neiße lockt Tausende Besucher zum deutsch-polnischen Parkfest. Neben der Gartenkunst des "grünen Fürsten" Hermann Fürst von Pückler-Muskau und dem restaurierten Schloss gibt es mit einem Klassik-Open-Air-Konzert ein besonderes Spektakel.

Ein wenig spektakulär in Brandenburg ist auch die freiwillige, vom Land finanziell unterstützte Fusion der Elbe-Elster-Städte Bad Liebenwerda, Falkenberg, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück zur künftigen Kurstadtregion. Dem Beispiel wollen 2017 auch die Städte Finsterwalde und Sonnewalde folgen und zusammengehen. Nicht nur aus Sicht des Landes ist das mit Blick auf die demografische Entwicklung ein richtiger Schritt.

Finsterwalde, die einzige Sängerstadt Deutschlands, hat sich unterdessen für das Luther-Jahr 2017 schon reichlich mit kulturell-touristischen Veranstaltungen eingedeckt. Neben Ausstellungen, Wanderrouten oder Konzerten gibt es zum 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober einen für die Stadt besonderen Höhepunkt: Auf dem Marktplatz kommt es - ganz nach dem Geschmack der Finsterwalder - zu einem großen Chorsingen.

Für Lausitzer in Ostsachsen wird es dagegen im Jahr 2017 kommunalpolitisch spannend. Es ist Oberbürgermeister-Wahl in Weißwasser und Amtsinhaber Torsten Pötzsch (Klartext) - durchaus nicht unumstritten - will Chef im Rathaus bleiben. Ob er im Herbst dafür die nötigen Stimmen der Wähler bekommt, entscheidet auch darüber, ob sich Pötzsch als ein Sprecher der Lausitzrunde weiter für den Strukturwandel in der Region engagieren kann. In dem Gremium von 23 Landräten und Bürgermeistern ist er der sächsische Sprecher.

Viel Engagement, kluge Ideen und Zugang zu den Fördertöpfen ist den Cottbusern für die Gestaltung ihres Ostsees zu wünschen. Dabei können sie sich auf Beispiele für gelungene Bergbausanierung im Lausitzer Seenland stützen. Bevor im November 2018 die Flutung des Ex-Tagebaus Cottbus-Nord vor den Toren der Stadt beginnt, sollen im Jahre 2017 die Arbeiten an einer Kai-Mauer für den Cottbuser Ostsee starten. Um das Bauwerk mit trockenen Füßen fertigzubekommen, ist Tempo geboten.