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16 Stelen erinnern an die Kesselschlacht von Halbe

Streit gab es um die Inhalte auf den Stelen.
Streit gab es um die Inhalte auf den Stelen. FOTO: ZB-Funkregio Ost
Halbe. Der Zweite Weltkrieg prägt Halbe bis heute. Nun präsentiert der Ort seine Geschichte in einer dauerhaften Freiluftausstellung. Deren Entstehung war ein schwieriger Prozess. Alexander Riedel

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs tobte vor den Toren Berlins eine der letzten großen Schlachten auf deutschem Boden. Ende April 1945 starben im "Kessel von Halbe" Zehntausende Rotarmisten, deutsche Soldaten, Flüchtlinge und Zivilisten.

70 Jahre später will die 2100-Einwohner-Gemeinde mit 16 Stelen dauerhaft an diesen Teil ihrer Geschichte erinnern. Die Text- und Bildtafeln stehen im Ortskern und vor dem Waldfriedhof, auf dem viele Kriegstote ruhen. Auf Deutsch und Englisch geht es um die Kämpfe und Opfer, die Rolle Halbes im Nationalsozialismus und den Umgang mit der Vergangenheit.

Am heutigen Freitag wird die Ausstellung eröffnet - auch wenn der Streit um ihre Entstehung noch immer nachhallt.

Ausgerechnet der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, kehrte dem Projekt den Rücken. Er sagt, er sei "herauskatapultiert" worden. Dabei hätten die Empfehlungen einer vom ihm und dem Aktionsbündnis Brandenburg geleiteten Expertenkommission entscheidend dazu beigetragen, dass die Ausstellung überhaupt kommen konnte.

Was also war geschehen? Zusammen mit einem seiner früheren Mitarbeiter, dem nun von der Gemeinde beauftragten Kurator Mikko Wirth, habe er die Inhalte der Stelen konzipiert, Fotos ausgewählt und die Texte verfasst, sagt der Stiftungsdirektor. Dann habe jedoch die Gemeinde Ende vergangenen Jahres verlangt, als letzte Instanz über die Inhalte zu entscheiden.

Für Morsch ein unhaltbarer Vorgang: "Ich will da keine Vergleiche ziehen, aber dass Politik über wissenschaftliche Texte entscheidet - ich glaube, da müssten wir gerade hier besonders sensibel sein." In Teilen der Gemeinde habe es inhaltliche Bedenken gegeben, sagt Morsch. Manche hätten sich etwa an einer Darstellung zu "Halbe im Nationalsozialismus" gestört.

Ob seine Texte am Ende verwendet wurden, weiß der Stiftungsdirektor nicht - er will es aber prüfen. Man habe zu der wissenschaftlichen Darstellung nur Hinweise geben und dabei auch die Bürger mitnehmen wollen, verteidigt dagegen Oliver Theel von der zuständigen Gemeindeverwaltung Amt Schenkenländchen das Vorgehen.

Die Abstimmung über die Inhalte sei - nach dem Ausstieg Morschs - mit dem Kurator anhand von dessen Vorlagen erfolgt. Theel glaubt nicht, dass auf den fertigen Stelen Dinge nun schief dargestellt sind, und sagt: "Auch die Folgegeneration im Ort ist schließlich von den Ereignissen noch traumatisiert und will eines definitiv nie wieder: Krieg."

Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt findet ebenfalls: "Es ist wichtig, dass die Bürger und die Gemeinde die Ausstellung akzeptieren." Gorholt begrüßt, dass der Ort seine Geschichte dokumentiert. "Die Gemeinde sagt damit deutlich, wir lassen uns nicht missbrauchen." Die Ausstellung sei auch ein Zeichen gegen die in der Vergangenheit immer wieder versuchte Vereinnahmung des Ortes und der Kriegsgräberstätte durch Rechtsextreme.

Ähnlich sieht es Gunter Fritsch, der Präsident des Landesverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der auch den Waldfriedhof Halbe pflegt: "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Ort, an dem die Leute, die das damals erlebt haben, oder deren Nachkommen noch leben, sich der Vergangenheit stellt."

Kurator Wirth hält die Ausstellung indes für einen Kompromiss - das gesamte Projekt habe auf der Kippe gestanden. Einiges hätte er selbst zwar anders gemacht, und er könne auch Stiftungsdirektor Morsch verstehen. Insgesamt steht die Ausstellung aus Wirths Sicht im richtigen Kontext: Judenverfolgung und Zwangsarbeit etwa würden keineswegs ausgespart. "Ein Verschweigen des Themas 'Halbe im Nationalsozialismus' wäre für mich nicht infrage gekommen", sagt der Kurator. "Halbe war ein Dorf wie viele andere, ohne Vorreiter zu sein, aber auch nicht ein Hort des Widerstands."

Der Halber Arnold Mosshammer hat die Kesselschlacht als Jugendlicher selbst erlebt. Als Zeitzeuge engagiert er sich seit Langem gegen rechts und war von Anfang an für die Stelen. Er hätte sich auch Texte auf Russisch vorstellen können. Zu den umstrittenen Teilen der Ausstellung will Mosshammer sich nicht mehr äußern. Denn: "Ich will vermeiden, dass das Stelenprojekt in der Bevölkerung einen negativen Touch bekommt."