Mindestens 16 Schüler muss eine Klasse in Zukunft im Freistaat haben. Diese Sollgröße will die schwarz-rote Koalition für Berufsschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen sowie Fachoberschulen festschreiben, und für Berufliche Gymnasien müssen 20 Schüler beisammen sein. So sieht es der Regierungsentwurf für das neue Schulgesetz vor.

Praxis wird zu Gesetz

In der Praxis gelten diese Mindestschülerzahlen schon lange - als Teil der Schulnetzplanung. Nun werden sie in Gesetz gegossen. Der CDU-SPD-Staatsregierung geht es dabei um nicht weniger, als das Berufsschulwesen funktionsfähig zu halten. Denn das leidet seit Jahren an Schülerschwund.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Schülerzahlen an den staatlichen Schmieden für Industrie und Handwerk um 42 Prozent zurückgegangen. 2005 lernten noch 170 000 Jugendliche dort den Theorieteil für ihre Lehre zum Bäcker, Fliesenleger oder zur Altenpflegerin, im Schuljahr 2014/2015 waren es gerade noch 100 000.

In Brandenburg sieht die Statistik nicht besser aus. Die 81 000 Schüler, die noch 2015 an den brandenburgischen beruflichen Schulen lernten, haben sich bis 2014 fast halbiert.

Schulzentren im Fokus

Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) hat gerade die Beruflichen Schulzentren (BSZ) im Visier. Die kämpfen gerade auf dem Land um jeden einzelnen Schüler. Für die 62 Einrichtungen soll laut Kurth ein "zielgerichteter Ressourceneinsatz" gelten - und eine Mindestschülerzahl von 750. Öffentliche berufsbildende Schulen sind seit dem Jahr 1992 in den BSZ integriert, um Unterricht in der Fläche sicherzustellen. Die Häuser zu regionalen Kompetenzzentren weiterzuentwickeln, hatte sich schon die Vorgängerregierung vorgenommen.

Das Handwerk - die andere Seite der dualen Ausbildung - spricht sich dagegen für klarere Vorgaben aus Dresden aus. "Wir brauchen eine Planung aus einer Hand durch das Kultusministerium", sagt der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich. Ihm geht die Schulgesetznovelle nicht weit genug. Denn abstimmen könnten sich Landkreise und Planungsverbände schon heute - und eben deshalb stünden, so Dittrich, viele Berufsschulzentren vor einer "ungewissen Zukunft".

Eine Berufsschulnetzplanung auf Ebene des Freistaats würde Ausbildungsbereitschaft und Ausbildungserfolg erhöhen, ist Dittrich überzeugt: "Der Wechsel von Fachklassenstandorten oder ihre latente Infragestellung führt bei allen Beteiligten zu permanenter Verunsicherung und zu Missmut." Auch der CDU-Bildungspolitiker Lothar Bienst findet, dass die Schulnetzplanung für Berufsschulen "zentral koordiniert" werden sollte - und meldet bereits Verbesserungen an.

Die Schulgesetznovelle steckt derzeit in der Anhörungsphase. Parallel dazu stellt Ministerin Kurth den Entwurf bis März auf mehreren Bürgerdialogen vor. Geplant ist, dass das fertige Gesetz zum Schuljahresbeginn 2017 in Kraft tritt.