Die Zahl der Todesopfer durch den Brandanschlag auf einen U-Bahn-Zug in der südkoreanischen Stadt Daegu ist auf mehr als 130 gestiegen. Wie Südkoreas Nachrichtensender YTN berichtete, wurden nach der Bergung von mehr als 30 Leichen die sterblichen Überreste von weiteren etwa 100 Menschen gefunden. Die Bestimmung der genauen Zahl sei schwierig, weil viele Leichen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt seien. Etwa 140 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Vermissten schwankte zwischen 59 und 99. Die Bergungsarbeiten dauerten am Dienstagabend (Ortszeit) noch an.
Nach Angaben der Rettungsmannschaften starben die meisten Opfer durch das Einatmen giftiger Rauchgase. Die Polizei nahm einen 56-jähriger Tatverdächtigen fest, der wegen einer Geisteskrankheit behandelt worden war. Die möglichen Motive waren zunächst unklar.
Augenzeugen berichteten, dass der Mann einen mit leicht entzündlicher Flüssigkeit gefüllten Plastikbehälter in einen Waggon geworfen habe. Passagiere hätten den Mann noch daran zu hindern versucht, den Behälter anzuzünden, sagten Augenzeugen dem Sender YTN. "Der Mann ließ das Feuerzeug fallen und der Zug fing Feuer", sagte einer der Fahrgäste.
Das Brand brach während der Fahrt aus. Nach Berichten von YTN waren zum Zeitpunkt der Katastrophe etwa 600 Fahrgäste in dem Zug. Etwa zwölf Waggons hätten Feuer gefangen, hieß es. Die Unglücksstelle lag im dichten Rauch. Der gesamte U-Bahnverkehr in der etwa 300 Kilometer südöstlich von Seoul gelegenen Stadt kam zum Stillstand.

Hintergrund: Daegu - Millionenstadt der Textilindustrie

Daegu ist mit rund 2,5 Millionen Einwohnern Südkoreas drittgrößte Stadt und liegt etwa 330 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Seoul entfernt. Die Stadt ist der Standort Nummer eins der südkoreanischen Textilindustrie und gilt mit ihrem üppigen Warenangebot auch als Modezentrum des Landes. Auf die Stadt entfallen 21 Prozent aller Textilmanufakturen und 61 Prozent der Stoffproduzenten des Landes. Daneben ist Daegu Jahrhunderte lang der Mittelpunkt für den Kleinhandel mit medizinischen Kräutern gewesen. Etwa 60 Kilometer westlich von Daegu liegt Südkoreas berühmtester Tempel, der Haeinsa, in dem die umfangreichste Sammlung buddhistischer Schriften in chinesischer Übersetzung aufbewahrt wird.