Wie ein Militärsprecher am Freitag in der Hauptstadt Kinshasa bekannt gab, öffnete sich die Rampe der russischen Frachtmaschine des Typs Iljuschin 76 am Donnerstagabend 45 Minuten nach dem Start in der Metropole des zentralafrikanischen Landes. Lediglich die russische Besatzung habe das Unglück überlebt.

"Die Tür öffnete sich, nachdem vermutlich das Drucksystem versagte", sagte der Sprecher. Der Pilot sei daraufhin umgedreht und habe die Maschine auf dem internationalen Ndjili Flughafen zu Boden bringen können.

Die viermotorige Iljuschin war von der kongolesischen Armee für einen Flug in die südliche Stadt Lubumbashi gechartert worden. Unklar blieb zunächst, wie viele Zivilisten sich unter den Insassen befanden. Von der kongolesischen Regierung gab es zunächst keine Erklärung. Kongos Minister für Frieden, Vital Kamere, bestätigte lediglich, die Rampe eines Flugzeugs habe sich in der Luft geöffnet. Es habe Notfälle gegeben. In Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt des Landes, unterhält die Armee eine große Militärbasis.

Professor Cord Rossow vom Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig vermutet, dass die Passagiere aus dem offenen Laderaum "herausgerutscht" sind. "Der Druckunterschied spielt in dieser Höhe keine so große Rolle", erklärte der Experte in einem dpa-Gespräch. Der Pilot habe eventuell nach dem plötzlichen Verlust der Ladeluke versucht, die Lage der Iljuschin zu stabilisieren und dabei die Nase der Maschine nach oben gezogen. "Zusammen mit den Turbulenzen und der Panik kann das dazu geführt haben, dass die Menschen herausgefallen sind", sagte Rossow. Hinzu käme, dass die Frachtmaschinen keine fest geschraubten Sitzreihen hätten, die den Menschen Halt bieten könnten.

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Hintergrund: Defekte Türen häufig Absturzursache

1989: Ein Jumbo-Jet der United Airlines verliert nach dem Start in Honolulu (Hawaii/USA) eine Ladeluke und mit ihr Teile der Außenverkleidung. Durch das dreieinhalb mal acht Meter große Loch werden neun der 336 Passagiere aus 6 700 Meter Höhe in die Tiefe gerissen. Als Ursache gilt ein Defekt im Schließmechanismus der Tür.

1985: An Bord einer Lockheed Electra kommt es kurz nach dem Start von Reno (USA) zu heftigen Vibrationen, weil das Bodenpersonal eine Kabinentür nicht richtig verschlossen hat. Beim Landeversuch stürzt das mit 71 Personen besetzte Flugzeug wenige Kilometer vor der Rollbahn auf einen Parkplatz: 70 Tote.

1975: In einer Transportmaschine der US-Luftwaffe kommt es in 7000 Meter Höhe über dem Südchinesischen Meer zu einem plötzlichen Druckabfall. Eine Rampe hatte sich aus ihrer Verankerung gelöst, die Ladeluke auf- und in die Tiefe gestoßen. Mindestens 155 der mehr als 300 Insassen sterben bei dem Absturz nahe Saigon. Die meisten Opfer sind vietnamesische Waisenkinder auf dem Weg zu US-Adoptiveltern.

1974: Eine DC-10 der Turkish Airlines verliert nach dem Start von Paris-Orly in 3 600 Meter Höhe eine Frachtraumtür. Der Kabinenboden bricht durch und beschädigt Kabel des Steuersystems. Die Maschine stürzt in einem Wald ab. Keiner der 346 Insassen überlebt die bis dahin größte Katastrophe der zivilen Luftfahrt.

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