Br andenburgs Christdemokraten haben Jahr für Jahr zum Faschingsabschluss ein Heimspiel im Elbe-Elster-Kreis. Die Stadthalle Doberlug-Kirchhain füllt sich mühelos, wenn sie zum Politischen Aschermittwoch laden. Dabei bekommen Parteifreunde und Gäste etwas geboten - bei der 11. Auflage waren es Musik, Show, Deftiges zu essen und 1000 Liter Freibier .

Das sorgt für Stimmung, auch bei der nahezu vollzählig versammelten Brandenburger CDU-Landesspitze. In diesem Umfeld den Einstand zu geben, fällt dem neuen Führungsduo Schierack/Heinrich nicht schwer. Da hätte Generalsekretärin Anja Heinrich den halben Liter Bier am Rednerpult gar nicht gebraucht, um der rot-roten Landesregierung zu bescheinigen, dass sie abgewirtschaftet habe. "Wir haben die besseren Konzepte und die besseren Köpfe", sagt sie mit Verweis auf BER-Chaos, Bildungsdesaster und Polizeiabbau. "Spätestens im Herbst 2014 ist es mit dieser Landesregierung vorbei."

Der neue Landeschef setzt da noch einen drauf, indem er den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag zum Thema Schönefeld-Airport zitiert. Im August 2012, nachdem der Juni-Eröffnungstermin geplatzt war, habe Ralf Holzschuher davon gesprochen, dass bis zur Fertigstellung des BER jetzt nur noch Staub gewischt werden müsse. Schierack nutzt den Lacher im Saal und fügt unter Verweis auf Aschermittwoch (an dem alles vorbei ist) hinzu: Die rot-rote Landesregierung scheine seit nunmehr drei Jahren die Narrenkappe gar nicht mehr abzusetzen. Er ist sich sicher: "Die Bürger brauchen diese Narren nicht mehr." In Brandenburg habe die Regierung inzwischen einen Managementplan für den Wolf und den Elch - aber nicht für den BER, die Bildung oder die innere Sicherheit.

In diesen Tagen des Vorwahlkampfes gehört die Erwähnung der Leistungen der Bundesregierung und der Kanzlerin natürlich in jede Aschermittwochsrede von Unionspolitikern. Anja Heinrich ist froh, in der Partei "der weltweit brillierenden Kanzlerin" zu sein. Für den Finsterwalder Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen, seit Jahren Impulsgeber des größten Stammtisches Brandenburgs, ist Angela Merkel eine erfolgreiche, beliebte und skandalfreie Bundeskanzlerin, "mit der wir die Bundestagswahl gewinnen werden". Der SPD bescheinigt Stübgen, "einen millionenschweren, skandalerprobten Macho-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zu haben".

Derartig scharfe "Geschütze" muss der Bundestagspräsident als Hauptredner des Abends nicht auffahren. Norbert Lammert verteilt fast eine Stunde lang - ohne Redemanuskript - Spitzen an den politischen Gegner. Er nennt Steinbrück nicht einmal. Sagt nur, dass der aus der Stadt mit den wohl bekanntesten Stadtwerken Deutschlands, aus Bochum, komme. Er beziehe von dort seinen Strom, aber keine Honorare. In Anspielung auf Steinbrück schiebt er nach, "dass es Leute geben soll, bei denen das umgekehrt ist".

Aber auch der Bundestagspräsident kommt nach einer überzeugenden und von zustimmendem Beifall unterbrochenen europapolitischen Abhandlung - die so ganz und gar nicht Aschermittwochs-Hau-Drauf-Reden entspricht - auf die Bundeskanzlerin zurück. Für Lammert sei sie "ein Glücksfall für Deutschland". Er bewundere ihre Geduld in der Euro-Krise, auch wie sie mit "Konsequenz und Sturheit" Positionen verteidige. Und damit hat Lammert nach schwerer Aschermittwochskost den Saal wieder ganz auf seiner Seite.