Manfred Wendisch (Foto: dpa). In der Arktis sei der Klimawandel am deutlichsten sichtbar, weil es eine überdurchschnittliche Erwärmung gebe. Das liege auch an den Wolken: "Sie erwärmen die Arktis stark", sagte der Professor, dessen Institut in dieser Woche "100 Jahre Meteorologie in Leipzig" feiert. Am Donnerstag stand ein Festkolloquium mit Leipziger Absolventen als Gastrednern auf dem Programm. "Wolken wirken wie eine Bettdecke, unter der es schön warm wird", erklärte der Professor. Dies gelte allerdings nicht bei Sonne - dann sei das Gegenteil der Fall. "In unseren Regionen wirken tiefe Wolken tagsüber eher abkühlend - weil sie die Sonne verdecken -, nachts aber erwärmend." Anders sei es in der Arktis. Während der Polarnacht erwärmen die Wolken die Luft; "und am Polartag auch, weil die Sonne da tief steht."

Noch ungenügend erforscht seien auch die Eiskristalle, die sich in tiefen Wolken bilden. "Solche Wolken sind tagelang da - der Aufwind füttert immer flüssiges Wasser nach", sagte der Meteorologe. Die Frage ist, welche Folgen die Eiskristalle für den Niederschlag und die Erwärmung haben.

Die Leipziger Meteorologen planen im kommenden Frühjahr Wolken-Messungen an Bord der Forschungsflugzeuge Polar 2 und Polar 5. Im Jahr 2016 wollen sie dann auf dem Schiff "Polarstern" forschen. Sie kooperieren dabei eng mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven und Forschern aus anderen Ländern. Das Ziel: "Die Klimamodelle sollen realistischer werden. Die Arktis ist dort bisher schlecht repräsentiert", so Wendisch.