Sie kamen vorwiegend aus Nordsachsen und Südbrandenburg. Zu den Schaulustigen zählen auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel (parteilos).

Die Karnevalsvereine nahmen vor allem die leeren Staatskassen und die laufende Gemeindereform in Brandenburg aufs Korn. Nach Angaben der Veranstalter ist der Umzug der größte in den neuen Ländern. Das närrische Treiben war in Cottbus kurz nach der Wende wieder zum Leben erweckt worden.

In Plessa im Elbe-Elster-Kreis herrschte am Samstag ausgelassenes Treiben. Etwa 14 000 Menschen bestaunten den über drei Stunden laufenden Karnevalsumzug mit über 70 Bildern.

Auch in Berlin ist am Sonntagmittag der Startschuss für den großen Karnevalszug gefallen. Das Prinzenpaar rollte dabei mit einem Wägelchen durch das Brandenburger Tor - ein Seitenhieb auf den Senat, der die Durchfahrt der großen Umzugswagen durch das Tor verboten hatte. Zehntausende Menschen säumen nach Polizeiangaben die Straßen. Etwa 2500 Jecken und 60 Wagen ziehen unter dem Motto "Mitten drin ist echt dabei" durch die Hauptstadt.

Mit Umzügen und buntem Treiben wird auch in vielen bayerischen Orten der Höhepunkt des Faschings gefeiert. In München herrschte bei Sonnenschein und weiß-blauem Himmel ausgelassene Stimmung. In Nürnberg und Würzburg starteten die größten Faschingsumzüge des Landes.

Die Mauer steht wieder

Die Mauer gibt es wieder - zumindest zwischen Cottbus und Groß Gaglow. Aufgebaut hat sie der Gaglower Carneval Verein gestern während des "Zuges der fröhlichen Leute". Die Vereinsmitglieder gehörten zu den mehr als 4000 Teilnehmern, die drei Stunden lang durch die Cottbuser Innenstadt marschierten.

Für gute Laune am Straßenrand sorgte Wilfried Hillebrand, besser bekannt als Gaglower Blümchen. Natürlich gab es aus seiner Hand weder Konfetti noch Bonbons, sondern Blumen. Doch so herzlich gingen nicht alle Gaglower mit ihren Gastgebern um. In Anspielung an die geplante Eingemeindung des Ortes zu Cottbus, ist auf der einen Seite der Mauer auf dem Umzugswagen zu lesen: „Groß Gaglow lässt sich nicht kaufen.“

Der Politik nicht ganz so zugetan, dafür aber dem Lebenswasser zeigten sich die Biker aus „Saufdrauke“ . Diesen Spitznamen ihrer Heimatstadt Drebkau pflegen die harten Jungs liebevoll. Für einen eventuellen Schwächeanfall war gut vorgesorgt. Erste Hilfe gab es bei den Bikern in Form von Whiskey-Infusionen.

Selbstbewusst lief der FC Energie-Fanclub „Hans Meiser Team“ durch Cottbus. Die Heimniederlage am Samstag gegen den FC Bayern konnte das neu gewonnene Vertrauen in die Lausitzer Fußballstärke nicht mindern. „Wir bauen das Stadion aus und schmeißen alle raus.“

Konfetti-Kanonen ließen die Besucher am Straßenrand in einem wahren Konfetti-Regen verschwinden. Aber es regnete auch Bonbons, saure Gurken, Popcorn und Gummibärchen. Beste Chancen auf eine gute Ausbeute hatten die Karnevalsprofis, die einen Regenschirm umgedreht in die Höhe hielten. Dazu gehörte auch Nicole Wiese, die mit Freund Christian Theinert das bunte Treiben genoss. „Die Stimmung ist einfach toll, die Leute sind gut gelaunt“ , sagte die 18-Jährige. Auch ihr Freund meinte: „Es tut der Region gut, einfach mal den Alltag zu vergessen.“

Für Cornelia Rönisch gehört der Karnevalsumzug zu Cottbus wie der FC Energie. „Ich bin jedes Jahr dabei“ , sagte die Madlowerin. Matthias Zscharnagk (15) und Alexander Teuber (13) hatten einen viel weiteren Weg. Die beiden Herzberger kommen schon seit drei Jahren nach Cottbus, um sich den Umzug anzuschauen. Ihre Haare hatten sie gestern extra grün gefärbt. „Es macht einfach Spaß zuzugucken. Alles ist so bunt und verrückt.“

Klaus Woye findet es großartig, dass sich die ganze Region in Cottbus trifft. „Es werden immer mehr“ , sagte er nach kurzem Nachdenken. Ausgelassen hat der 62-jährige Cottbuser bisher noch keinen Umzug. „Außerdem ist es gut, dass sich die kleineren Unternehmen präsentieren können.“ Dann hatte er noch Lob für die Stadtreinigung: „Und Cottbus ist am nächsten Tag wieder blitzsauber.“

Und genau denen griff Jürgen Berkau unter die Arme. Kurz nachdem der letzte Wagen an der Karl-Liebknecht-Straße 22, gleich gegenüber dem Staatstheater, vorbei war, kehrte er die Konfettiberge zusammen.