Mit Booten, Allradfahrzeugen und Lastwagen versuchen Helfer und Krisenmanager der Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen über zerstörte Straßen zu den Flutopfern zu gelangen. Dabei ist auch Tage nach den ersten Katastrophenmeldungen nicht klar, wie viele Menschen obdachlos geworden sind, vor den Wassermassen flüchten oder den schlammigen, reißenden Fluten zum Opfer fielen.
„Man muss leider davon ausgehen, dass die Zahl der Toten noch steigen wird“ , sagt Hans Jürgen Edding, Gesundheitskoordinator der Föderation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmunds für West- und Zentralafrika. Allein in seinem Zuständigkeitsgebiet sind inzwischen rund 600 000 Menschen obdachlos. „So schlimm war es noch nie“ , klagt Hasifa Kabeija, Sprecherin des Roten Kreuzes in Uganda. Die Menschen dort seien an die jährlichen Fluten am Ende der Regenzeit gewöhnt - doch ein solches Ausmaß habe das Hochwasser noch nie gehabt. Ein Ende der Flut ist jedoch nicht abzusehen. Die Regenzeit kann in Uganda bis Dezember dauern. Die Regierung in Kampala rief den Notstand in den Flutgebieten aus - zu spät, klagen örtliche Medien. „Viele Häuser sind wegen durchweichter Böden und undichter Dächer unbewohnbar“ , sagt Grace Akwango von der Hilfsorganisation ActionAid. Die Helfer seien im Dauereinsatz, doch angesichts der fast 300 000 Flutopfer allein in Uganda sei die bittere Erkenntnis: „Unsere gemeinsamen Anstrengungen reichen nicht aus.“ Während Hunderttausende in West-, Zentral- und Ostafrika vor den Wassermassen fliehen, fürchten Experten, dass mit dem Ende des Regens und dem Sinken der Wasserstände längst nicht alles überstanden ist. Nach der Flut drohen Hunger und Seuchen.
In Ghana, wo ebenfalls etwa 300 000 Menschen von der Flut betroffen sind, wurden erste Fälle von Durchfallerkrankungen gemeldet. Ob es sich um Cholera handelt, ist noch nicht sicher, doch die Helfer fürchten, dass angesichts verunreinigter Brunnen und Wasserstellen sowie katastrophaler hygienischer Zustände in den Flutgebieten eine Choleraepidemie nur eine Frage der Zeit ist. „Selbst wenn die Regenfälle aufhören, bleiben große Flächen stehenden Wassers. Das sind Brutstätten für Malaria“ , befürchtet Edding.