Mit einer in seiner Umgebung völlig üblichen "Zoo-Sprache" war der Berliner Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz heftig angeeckt. Der Biologe wandte die Fachsprache auf Menschen an: In internen Schreiben hatte er Mitarbeiterinnen mit der Formel 0,1 gekennzeichnet, was in der Zoo-Welt mit dem Begriff "Weibchen" gleichgesetzt ist. Am Montagabend kam er erst einmal mit zwei blauen Augen davon.

Dieses Manöver gelang aber nur, weil der 58-Jährige, der sonst eher als stur und wehrhaft gilt, dem Wunsch der Aufsichtsräte nach Entspannung und Beruhigung der aufgeheizten Szenerie unverzüglich nachkam. Nur einen Tag nach der ernsten Anhörung vor dem Präsidium der Kontrolleure schickte Blaszkiewitz jedem Mitarbeiter ein Schreiben, in dem er seine umstrittenen Äußerungen über die Mitarbeiterinnen der Anlagen und über Weihnachtsgeld, das auch von "unchristlichen" Mitarbeitern gerne angenommen werde, bedauerte. Darin erklärte er, dass er niemanden habe verletzen wollen.

Aus Sicht der Kritiker, vor allem bei den Grünen und der SPD, war jedoch mit der Klassifizierung 0,1 das Maß voll. Die Zahlenfolge steht bei bestimmten Tierarten auch für "Zuchtstuten". Die Begründung von Blaszkiewitz, er verstehe diese Formel als "Höflichkeit" gegenüber den Frauen in seinen Unternehmen, löste nur noch mehr Kopfschütteln aus. "In welcher Welt lebt dieser Mann?", fragte die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger.

In dreistündiger Krisensitzung kamen die Aufsichtsräte zu weiteren Beschlüssen: Blaszkiewitz bekommt eine Gleichstellungsbeauftragte an die Seite. Zudem soll eine Anwaltskanzlei die Vorwürfe juristisch prüfen. Seinen Hut muss der umstrittene Zoo-Chef aber noch nicht nehmen.

Allerdings wird es durch den Warnschuss im Präsidium des Aufsichtsrates immer ungemütlicher für Blaszkiewitz, der seit Jahren Gegenwind gewohnt ist. Von dem massigen 130-Kilo-Mann sind alle Vorwürfe bisher ausgesessen worden. Es fing damit an, dass Blaszkiewitz vor dem Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses zugeben musste, 1991 im Tierpark Friedrichsfelde vier Katzenbabys das Genick gebrochen zu haben. Die Tötung rechtfertigte er mit dem Hinweis auf drohende Infektionen anderer Zoo-Tiere, außerdem habe er die Tiere fachmännisch getötet.

Scharfe Kritik löste er auch aus mit der ihm vorgeworfenen Sammelwut von Tieren. Rund 19 500 Tiere leben im Zoologischen Garten, etwa 7400 sind es im Tierpark. Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling wirft ihm vor, die Zahlen unter anderem durch Inzest unter den Tieren immer höher zu treiben. Besonders unter den Raubtieren mussten immer wieder Jungtiere mit schweren Erbkrankheiten eingeschläfert werden.

Auch mit einem vom Zoopublikum vergötterten Tier wie Knut schaffte es Blaszkiewitz, die Zahl seiner Gegner noch zu vergrößern. Den Jungbären steckte er ausgerechnet zu den drei Eisbär-Seniorinnen Tosca, Katjuscha und Nancy. Das Trio, alle über 20 Jahre alt, verbiss Knut, der sich genervt in eine Schmuddelecke weit hinten zurückzog. Viele Fans kochten vor Wut über die schnöde Behandlung ihres Lieblings, der am Ende an einem Virus starb.