Auch in der Verbannung sollte die Cosel fürstlich residieren - mit eigenen Gemächern, Dienstboten und erlesenen Speisen. Am Heiligabend 1716 ließ August die selbstbewusste und eigenmächtige Frau auf Burg Stolpen bei Dresden bringen.

Zum 250. Todestag der Gräfin am 31. März räumt man hier aber mit vielen Mythen auf. In seinem Buch "Lebenslang verbannt" schärft der Museologe Jens Gaitzsch den Blick auf Cosel: Geltungssüchtig, exzentrisch und unnachgiebig, nennt er sie. Aber auch intelligent, belesen und großzügig.

Am 17. Oktober 1680 kommt Anna Constantia von Brockdorff auf Gut Depenau in Holstein zur Welt. In ihrer Jugend ist sie Hoffräulein im Schloss Gottdorf bei Schleswig und in Wolfenbüttel. Noch als Fräulein wird sie schwanger, doch weder vom Vater noch vom Kind erfährt die Nachwelt etwas. Die Heirat mit dem sächsischen Geheimrat Adolf Magnus von Hoym gibt ihr die Chance, die Schande vergessen zu machen. So gelangt sie nach Dresden. Hoym reicht Anfang 1705 die Scheidung ein.

An dieser Stelle kommt der sächsische Kurfürst und Polen-König August der Starke (1670-1733) ins Spiel. Er ist so sehr von Anna Constantia fasziniert, dass er sie zur Mätresse macht und ihr sogar ein Eheversprechen gibt - für den Fall, dass seine 1693 in Bayreuth geheiratete Christiane Eberhardine das Zeitliche segnet. Als das 1727 geschieht, befindet sich die Cosel freilich schon in der Verbannung. Cosel gelte als Frau Augusts, obwohl sie das de facto nie war, wundert sich Stolpens Burgdirektor Jürgen Major. Unklar sei bis heute aber, ob die Angebetete dem starken August das Eheversprechen abnötigte oder der Herrscher den späteren Bund fürs Leben selber in Aussicht stellte.

Tatsache ist: Gräfin Cosel war zeitweilig die eigentliche Herrscherin am Hof, fühlte sich als Kurfürstin und Königin. Dass sie sich in höfische Angelegenheiten einmischte, bescherte ihr nicht nur Feinde, sondern besiegelte auch ihr Schicksal.

Nach schnellem Aufstieg kam der tiefe Fall. 49 Jahre verbrachte die Gräfin in Stolpen. Als sie 1765 starb, war sie 84.