Dem russischen Pianisten, Dirigenten und Komponisten ist es vorbehalten, den Reigen der insgesamt sieben Musiksalon-Vorführungen des Jahres 2010 zu eröffnen. Entgegen der Programmankündigung spielt der russische Virtuose nicht ausschließlich Werke des großen polnischen Romantikers Frederic Chopin, sondern verwöhnt sein Publikum ebenso mit Melodien aus der Feder von Haydn, Schubert sowie der russischen Tonkünstler Glinka und Tschaikowski. "Diese Komponisten zählen zu meinen Vorbildern", lässt der 1963 in Perm (Ural) geborene Wassilij Kulikow im Anschluss an das Konzert wissen. Eine besondere Liebe empfinde er auch für Beethoven, den er als Komponisten wie auch als Menschen verehrt. "Mein Vater hat entscheidenden Anteil daran", sagt er und erzählt, dass dieser von 1957 bis 1959 als Soldat in Eberswalde stationiert war und wann immer es Zeit und Gebote erlaubten, Konzerte besuchte. "Du musst unbedingt mal nach Deutschland reisen und Beethoven mit russischer Seele vortragen", habe ihm das Familienoberhaupt in frühen Jahren mit auf den Weg gegeben. Dieser führte den Virtuosen Wassilij Kulikow bisher in viele Konzerthäuser in Russland, Weißrussland, Deutschland und Österreich. Auf die Frage, welches denn der gefälligste Konzertsaal sei, antwortet er, "dass nicht allein der Raum der Schlüssel zum Erfolg ist, sondern vielmehr das Publikum". Beides sei auf Gut Geisendorf "wunderbar". Er lobt "die reiche Atmosphäre" und bewertet das Konzert als eines der gelungensten seiner Karriere. Das Publikum ist gefesselt. In Freude versunken, schmiegen sich Köpfe an die Schultern des Nachbarn, andere verlieren sich förmlich in der Musik, um am Schluss eines jeden Vortrags viel Beifalls in Richtung Pianisten zu senden. Wassilij Kulikow entlockt dem altehrwürdigen, vom Cottbuser Hans-Matthias Nitschke zuvor gestimmten Steinmeyer-Klavier eine Harmoniefolge von Melodien und benötigt dabei nicht ein einziges Notenblatt. Ergriffen hält es eine Zuhörerin nicht mehr auf ihrem Platz. Am Ende des Finals stürmt sie nach vorn, um den Virtuosen zu umarmen und sich bei Dr. Elke Melz zu bedanken. Die Diplomlehrerin für Philosophie und stellvertretende Vorsitzende des Russischen Kunstzentrums mit Sitz in Rostock organisiert die Konzerte von Kulikow in Deutschland, der sich mit Schuberts "Ave Maria" vom Publikum und Gut Geisendorf verabschiedet.