Hatte er doch auf Anfrage erfahren, dass da ein kleiner Poet aus Burg zwei bis drei Mal pro Woche auf den Holzbänken zum Extremschwitzen Platz nimmt. Damit nicht genug, denn die Verse, die der anonyme Gast bei der Gelegenheit zu Papier bringt, sind nur ein Teil seiner Leidenschaft.

Denn Jürgen Carmesin schreibt nicht nur Texte, sondern er denkt sich auch die passenden Melodien dazu aus. Typische Spreewaldlieder entstehen auf diesem Wege. Wobei das Besondere an der Entstehung dieser Werke ist, dass der Autor selbst kein Instrument spielt.

Deshalb singt der 71-Jährige seine "Rohwerke" daheim auf einen Kassettenrekorder ein. Um diese dann später Michael Zumpe vorzutragen, der die entsprechenden Noten aufs Papier bringt. Besagter Zumpe ist Leiter des Gesangsvereins Sacrow-Waldow, in dem Jürgen Carmesin seit zehn Jahren Mitglied ist. Den Chorgesang bezeichnet er als seine musikalischen Wurzeln, hatte Carmesin doch während seiner Zeit als Lehrling auf dem Gut Görlsdorf erste Kontakte mit dieser Art des Musizierens.

"Doch professionell ist mein Chorgesang bestimmt ebenso wenig zu bezeichnen, wie meine eigenen Lieder. Meine erste Zuhörerin ist daheim meine Frau Anneliese, die dann auch mit kritischen Bemerkungen zur Stelle ist", erzählt der Senior vom Werden seiner Werke. Und die lassen sich am Ende auch hören. Gemeinsam mit seinem Freund Henryk Juskowiak hat er in dessen Studio eine erste CD produziert. Zwar mit der elektronischen Rhythmus-Maschine unterstützt, aber auch unterlegt mit dem Einspiel der Orgelpartituren des Freundes. Entstanden ist dabei eine CD mit ganz putzigen Liedchen. "Der Kurort Burg" wird ebenso besungen wie "Das kleine Spreewaldmädel". Und auch das einzig lästige Wesen des Spreewaldes hat seinen Platz in der Reihe der acht Titel bekommen: "Die Spreewaldmücke".

Öffentliche Auftritte beim Seniorennachmittag des Burger Heimatfestes, beim Schlossfest in Königs Wusterhausen oder auch beim Golßener Gurkenfest haben ihn im Kreis der einheimischen und Touristen bereits bekannt gemacht. Auch bei der Burger 700-Jahrfeier wird man ihn im kommenden Jahr auf den Bühnen der Spreewaldgemeinde erleben können. Dennoch hat er einen Wunsch: "Unser schönes Burg und den einmaligen Spreewald würde ich ja gern mal bei der Grünen Woche in Berlin mit meinen Liedern bewerben wollen!"

Und so ganz nebenher wird dieser Tage auch an der zweiten CD gearbeitet. Weshalb es durchaus möglich ist, dass diese Tage Jürgen Caremesin wieder einmal seine bereits bekannte Bitte äußert: "Matze, hast du mal einen Stift und einen Zettel für mich?"