Ohrenbetäubendes Motorengeheul schallt den etwa 1000 Zuschauern des Richtfestes entgegen. Ein Startschuss fällt, jede Menge Dreck wirbelt durch die Luft. MX2-Weltmeister Ken Roczen hat die Ehre, als Erster die neue Moto-Cross-Strecke „Lausitzring Sonnenhäusel“ zu testen. Damit ist das Richtfest der neuen Moto-Cross-Strecke auf dem Lausitzring vollzogen.

Kurz zuvor hatte Eurospeedway-Betreiber Josef Meier die Strecke auf „ihren neuen wie alten Namen ‚Lausitzring Sonnenhäusel' getauft. Damit lösten er und sein Mitgesellschafter Josef Hofmann ein langjähriges Versprechen ein. Denn ihre Vorgänger hatten bei der Inbetriebnahme des Eurospeedway Ersatz für den Anfang der 90er-Jahre überbauten Motocross-Kurs „Sonnenhäusl“ Ersatz zugesichert.

Vom Weltmeister angetestet

Nachdem MX2-Weltmeister Ken Roczen die Grenzen der 1 800 Meter langen Strecke ausgetestet hatte, folgten ihm 30 Motocross-Kids aus Brandenburg, Berlin und Sachsen. „Es war zwar ziemlich schlammig, hat aber total viel Spaß gemacht“, sagt Maximilian Spies. Der siebenjährige Grundschüler war unter den ersten Probefahrern. Er will mit seiner 65 ccm-Maschine zukünftig auf dem neuen Kurs trainieren, erklärt das junge Vereinsmitglied des MC GV Ortrand. Er und die übrigen Offroad-Motorsportler der Region müssen sich allerdings noch bis zum kommenden Frühjahr gedulden. „Bevor wir die Strecke offiziell eröffnen, müssen wir in den nächsten Monaten noch verschiedene Auflagen erfüllen“, sagt Lausitzring-Geschäftsführer Josef Meier.

Dazu gehört unter anderen das Errichten einer Lärmmessstation. Zudem soll abschnittweise um das Gelände ein Lärmschutz- und Zuschauerwall gebaut werden. Die Lausitzring-Betreiber hoffen dabei auf Fördermittel des Landes Brandenburg, da sich die Gesamtkosten der Crossanlage auf etwa 600 000 Euro belaufen.

Neue Heimat für Motocrosser

„Wenn alles fertig ist, wollen wir mit der Test- und Trainingsstätte den Motocross-Vereinen der Region eine neue Heimat geben“, erklärt Meier. Wohlwissend, dass dieser Sport in der Lausitz eine lange Tradition genießt. Im Jahr 1974 war auf den ehemaligen Kurs „Sonnenhäusl“ die Internationale Motorradgeländefahrt „Rund um die Braunkohle“ gestartet. Auch war das ehemalige DDR-Leistungszentrum des Endurosports zwischen Schipkau und Senftenberg ansässig. Die Überbauung des „Sonnenhäusl“ durch den Lausitzring sowie die schrittweise Privatisierung vieler Waldflächen beeinträchtigten den Motocross-Sport in der Nachwendezeit stark.

Deshalb begrüßen viele Motorcross-Clubs aus der Umgebung die neue Strecke auf dem Eurospeedway. „Ich finde das Klasse. So haben wir endlich eine anspruchsvolle Trainingsstrecke direkt vor der Haustür“, sagt der Vorsitzende des Motorsportclubs Hörlitz, Stefan Budich. Er und seine 35 Vereinskollegen fahren sonst auf Strecken in Tätzschwitz oder Spremberg. „Ich werde auch Kontakt mit den Lausitzring-Betreibern aufnehmen, um mit ihnen über Vorortveranstaltungen zu reden“, sagt Budich.

Lob für das neue sieben Hektar große Areal hat auch ein Motocrosser aus Hosena. „Ich bin damals noch auf dem alten ‚Sonnenhäusl' gefahren, aber der neue Kurs mit seinem WM-Standard schlägt diesen um Längen“, sagt der 37-jährige Ronald Koch. Er freut sich schon, den Parcours im kommenden Frühjahr persönlich auszutesten. Ähnlich geht es auch Lars Täubert aus Ortrand. Der 35-Jährige will in der kommenden Saison mit der Nachwuchsabteilung des MC GV Ortrand hier trainieren.

Das begrüßt auch der ADAC Berlin-Brandenburg: „Die neue Strecke stellt keine Konkurrenz für die alteingesessen Clubs dar, sondern ist vielmehr eine gute Bereicherung für deren Motorcrosssport“, sagt Bernd Barig, Sport-Vorstand.

Zum Thema:

Die neue Motocross-Strecke „Sonnenhäusel“ Die neue Moto-Cross-Strecke am Lausitzring liegt auf einem Teil des bisherigen Bedarfsparkplatzes P 8 des Eurospeedway Lausitz. Ihr Areal umfasst etwa sieben Hektar und liegt teilweise auf einem angrenzenden Waldstück. Entworfen wurde der 1 800 Meter lange Kurs vom belgischen Streckendesigner Freddy Verherstraeten. Bisher kostete der Bau etwa 100 000 Euro.