Der Friedhof des kleinen Dörfchens Klix (Gemeinde Großdubrau) verbirgt sich derzeit unter einer dichten Schneedecke. Nur vereinzelt durchbrechen Fußspuren das eintönige Weiß. Eine Grabstelle - noch ohne Stein - fällt durch eine große Menge von Kränzen und Blumenschmuck auf, die ebenfalls schon fast vollständig vom Schnee bedeckt sind. Hier ruht seit dem vergangenen Sonnabend Katrin Michalk, jene junge Oberlausitzerin, die am 4. Januar in München einem brutalen Verbrechen zum Opfer fiel.

Die 31-jährige Verlagscontrollerin war auf dem Heimweg vom Fitnessstudio gewesen, als sie vor der Tür zu ihrem Wohnhaus im Münchener Stadtteil Obersendling auf ihren Mörder traf. Kurz zuvor hatte noch eine Überwachungskamera in der U-Bahn die gebürtige Bautzenerin gefilmt. An der Station Aidenbach stieg sie aus. "Aidenbach" - so ist auch die Sonderkommission der Münchener Kripo benannt, die seitdem nach dem Mörder fahndet.

"Bislang haben wir noch keine heiße Täterspur ermitteln können", erklärt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums München, Werner Kraus. Dabei ziehen die Ermittler alle Register, um brauchbare Hinweise zu erhalten - so lassen sie akribisch die Jacke des Opfers untersuchen: "Wir haben sie in viele kleine Quadrate unterteilt, auf denen nach DNA-Spuren gesucht wird", so Kraus. DNA ermöglicht die präzise Identifikation eines Menschen - ähnlich einem Fingerabdruck, nur zuverlässiger. Eine große Bedeutung haben Hinweise aus dem persönlichen Umfeld des Opfers - in München ebenso wie in ihrer ostsächsischen Heimat. "Es hat auch Ermittlungen in ihrem dortigen Bekanntenkreis gegeben", so Werner Kraus. Dass sie "ergebnislos" waren, wie Münchener Medien schrieben, will er so nicht bestätigen: "Ergebnislos sind solche Ermittlungen nie. Sie können auch einen Ausschluss von Personen aus dem Kreis der Verdächtigen zur Folge haben."

Schon jetzt gilt das Verbrechen an Katrin Michalk als einer der schwierigsten und ungewöhnlichsten Mordfälle in der Münchener Kriminalgeschichte. Dies zum einen aufgrund der außerordentlichen Brutalität - so stieß der Täter 18 Mal mit einer solchen Wucht mit einem Messer zu, dass die Klinge abbrach. Diese wurde in der Nähe des Tatortes gefunden, der Messergriff jedoch blieb unentdeckt. Andererseits aber auch, weil es selbst zweieinhalb Wochen nach der Tat noch keine bahnbrechenden Erkenntnisse über den Täter gibt. Letztere erhofft sich die Kripo nunmehr auch von Fallanalysten, umgangssprachlich als Profiler bezeichnet, die aus der Tat auf Persönlichkeitsmerkmale des Täters schließen. Die Münchener Polizei geht weder von räuberischen noch von sexuellen Motiven aus, wie es in einer kurz nach der Tat veröffentlichten Pressemitteilung heißt.