Nach einem Besuch des Kölner Wallraf-Richartz-Museums mit zahlreichen christlichen Gemälden aus dem Mittelalter ging er der Frage nach, wie detailgetreu die Malereien von der Kreuzigung Christi und den Morden an Christen sind. "Und das Museum war wirklich ein Horrorkabinett vor dem Herrn", versicherte Mark Benecke bei seinem Vortrag in Guben. "Jedes dieser Bilder ist ein Lehrgemälde für Henker. Aber auch ein Lehrbuch für Kriminologen", so Benecke.

Er erläuterte unter anderem, warum die Wundmale in den Händen der Gekreuzigten eigentlich nicht kreisrund sein können, wie sie auf manchem Bildern gemalt wurden. "Die Maler mussten sich mit der Materie genau auseinandersetzen, wenn sie wollten, dass ihre Werke authentisch wirken", erklärte Benecke. Und tatsächlich waren die Details in den Bildern erstaunlich echt. "Die Maler müssen ausprobiert haben, wie das Blut am Körper herunterläuft, bei Kreuzigungen und anderen Verletzungen. Nur so konnten sie es auch richtig malen", war sich Mark Benecke sicher. Sogar die Merkmale, die ein Körper nach einem schnellen Tod zeigt, wurden exakt gemalt. Dabei sei eine Kreuzigung kein schneller Tot gewesen. Erst, wenn die Henker nachhalfen, um das Leiden der Verurteilten zu verkürzen - etwa durch Essigwasser, was sie Jesus zu trinken gegeben haben müssen. "Das und der Sonnenstich führten zu einem schnellen Tod", wusste der Kriminologe. Oder auch die Verletzung am Oberkörper Jesus' - auch das war ein Hinweis für die Hilfe für einen schnellen Tod. "Wer einen Menschen von schräg unten ein Messer oder anderen Gegenstand in den Oberkörper rammt, trifft unweigerlich das Herz. Der Tod tritt schnell ein", so Benecke. Es sei erstaunlich, was bereits im Mittelalter über Leichenerscheinungen, Leichenflecken und andere Merkmale von Toten bekannt war. "Ich habe kein einziges Bild gefunden, auf dem Fehler in der Darstellung eines toten Menschen waren", erläuterte Mark Benecke.

"Er erklärt wirklich gut, mit einer Portion Humor. Ich bin sehr beeindruckt", gab Besucherin Claudia Oelsner aus Guben zu. Die 30-Jährige sei ein großer Fan "von solchen Sachen". Romy Maaske (28) war fasziniert davon, dass Mark Benecke mit ganz anderen Augen durch die Welt geht. "Er sieht Sachen, die wir entweder gar nicht erst sehen, weil sie für uns fast zum Alltag gehören. Kleinigkeiten bringen ihn dann auf den richtigen Weg", erzählte sie anerkennend.

"Wir Kriminologen müssen uns die Neugier eines Kindes bewahren. Sonst können wir keine Spuren sichern. Ein Tatort ist leer. Spuren auf Bildern schauen wir uns tausende Male an, um Licht in die Sache zu bringen", erklärte Benecke mit atemberaubender Sprachgeschwindigkeit.

Und bei jeder Erklärung glaubte ihm der Zuschauer die Liebe zu seinem Beruf, "ohne die ein Kriminologe nicht überleben kann". In beeindruckenden Fotografien zeigte Mark Benecke Porträts und Tatorte von und mit toten Menschen. Nicht jeder Manns Sache waren diese Fotos, deshalb warnte Benecke auch vor jedem neuen Bild. Faszinierend seien die Blicke von toten Menschen. "Die Augen sind immer ins Unendliche gerichtet. Und mumifizierte Leichen hätten sowieso immer etwas "Besonderes".