Ein 20 Jahre alter Nachbar der Seniorin. Wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilte ihn das Landgericht Mühlhausen nun zu neun Jahren Haft im Jugendgefängnis - begleitet vom lauten Schluchzen seiner Mutter.

Mehrfach verging sich der 20-Jährige an der Frau - und schnitt ihr anschließend die Kehle durch. Warum, bleibt auch nach dem Urteil offen. "Wir konnten den Grund für die Tat nicht feststellen", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Schuppner.

Seit Mitte Januar hatte die Jugendstrafkammer versucht, die Hintergründe der Tat vom Mai 2015 aufzuklären. Wegen "schützenswerter Interessen des Heranwachsenden" geschah dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Lange war unklar, ob überhaupt ein Prozessdetail bekannt gemacht wird. Der Angeklagte sprach sich laut Richter Schuppner dafür aus - und so wird das Urteil öffentlich verkündet.

40 Minuten dauert das. An einigen Stellen verwendet der Vorsitzende Richter Pseudonyme, um der geheimen Beweisaufnahme gerecht zu werden. Der Richter beschreibt, was das Geschehen so unbegreiflich macht: Weder habe der Angeklagte eine Gehirnschädigung noch eine Persönlichkeitsstörung. Die Schuldfähigkeit sei in keiner Weise eingeschränkt, beruft sich Schuppner auf den psychiatrischen Gutachter. Der Azubi habe Reue gezeigt und sei verzweifelt. Er könne sich die Tat in der Wohnung der pflegebedürftigen Nachbarin nicht erklären. Ein "schauspielerisches Talent" oder eine "Präferenz zu Sexualpraktiken" seien nicht festgestellt worden, auch kein übermäßiger Konsum von gewaltverherrlichenden Spielen.

Der Angeklagte habe gestanden, nach einem Discobesuch alkoholisiert gewaltsam in die Wohnung der Nachbarin - von seiner Mutter "Tante Christa" genannt - eingedrungen zu sein. Nach der mehrfachen Vergewaltigung würgte er die Frau, "um die Tat zu verdecken". Dann holte er ein 15 Zentimeter langes Messer aus der Küche - und durchtrennte ihre Kehle. Die 82-Jährige verblutete. Drei Wochen später ergab eine DNA-Probe, dass es sich bei ihm um den gesuchten Verdächtigen handelte.